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Leningrad Cowboys. (Bild: Norbert Ivanek)

MusicBlog: Hoch über Finnland

6. Juni: Regen, die Leningrad Cowboys, Regen, Wolfmother und Regen. Das war heuer mein Pfingsten. Ziemlich lässig also.


Skandinavien-Kenner werden das bestätigen. Es gilt ja als historisch erwiesen, dass sich Finnland nur deswegen von Schweden losgesagt hat, damit man vernünftig gegeneinander Eishockey spielen kann. Aber auch in populärkultureller Hinsicht eine durchaus sinnvolle Maßnahme. Denn während schwedische Musiker seit dem weltweiten Erfolg von ABBA bestrebt waren, englischer als jede englische Band zu klingen, sind die Finnen konsequent ihren eigenen schrägen Weg gegangen.


Ö3 MusicBlog

von Clemens Stadlbauer aus der Ö3 Musikredaktion. Der Alltag hinter den Schlagzeilen. Was im Radio keinen Platz mehr hat, aber trotzdem interessant ist. Hintergründe und Einblicke. Ganz privat. Mit Meinung. Aber Achtung: It's only Rock'n'Roll.

Leningrad Cowboys und Lordi gegen Ace of Base und Roxette. Dieses Match geht eindeutig an Finnland. Zumindest was meinen Geschmack betrifft. Ich war sogar mal in Helsinki in der Bar der Leningrad Cowboys. Ein greller Farbtupfer in einer sonst eher trostlosen finnischen Hauptstadt. Ich hab sogar einen der Traktoren ergattert. Die stehen dort im Lokal statt herkömmlicher Tische herum. Bier ist auch am Samstagabend beim Konzert im ausverkauften Wiener Planet Music in Strömen geflossen. Rundum ausgelassene Partystimmung sobald die Truppe mit den schrägen Frisuren die Bühne geentert hat. Sehr lustig war die neue Coverversion von Modern Talkings "You're my Heart, you're my Soul". Die einzig gültige Interpretation meines Erachtens.


So wie es nur einen Weihnachtsmann gibt. Den hab ich auch mal in Finnland interviewt. Dort ist er nämlich zuhause. Genau genommen in Rovaniemi. Direkt am Polarkreis. Vor seiner Holzhütte parken echte Rentiere. Und in den Regalen der umliegenden Supermärkte liegen echte Rentierfilets, was vor allem für die englischen Kids, die im Advent massenweise eingeflogen werden, ein kulinarischer Schock ist. Rudi the Red Nose Reindeer genießt bei den Kids von der Insel Kultstatus. Das wäre ungefähr so, wie wenn man bei uns den Osterhasen schlachten und in Portionen abpacken würde. Egal. Ich war jedenfalls schwer nervös. Immerhin hatte der Weihnachtsmann mehr Pressebetreuer und Security rund um sich als Bands wie Metallica oder U2. Das schüchtert schon ein. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht durch dumme Fragen meine Geschenkeliste für Weihnachten gefährden wollte.


Leningrad Cowboys. (Bild: Norbert Ivanek)


Apropos. Falls jemand für heuer noch nicht alle Geschenke beisammen haben sollte, hier eine kleine Empfehlung. Ich hab am Wochenende viel Musik gehört und brav den Stapel mit Neuerscheinungen abgearbeitet. Bis ich bei einer bestimmten CD hängen geblieben bin und die Repeat-Taste zum Glühen gebracht habe. Die Rede ist vom Debütalbum einer australischen Band namens Wolfmother. Unfassbar gut. Die Reinkarnation von Led Zeppelin. Ohne eine Kopie sein zu wollen. Großer Seventies-Rock jetzt. Modern. Up to date. Suchtpotenzial. Spätestens nach dem zweiten Mal Hören hat sich übrigens auch das schlechte Gewissen erübrigt. Von wegen frische Luft und so. Außerdem hat’s ja ein bissl geregnet. Wie gesagt. Lässig.


Clemens Stadlbauer Portaitfoto (Bild: Stadlbauer)

Steckbrief Clemens Stadlbauer

Clemens Stadlbauer, geboren 1963 in Steyr/OÖ, aufgewachsen in Linz. Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien und Los Angeles. Wichtigste berufliche Stationen: Redakteur und Chefredakteur bei einem Privatradiosender und Magazinen, seit 1998 Musikredakteur beim Hitradio Ö3. Veröffentlichungen: Die größten Pechvögel des Jahrhunderts (1999), Die Glücksfalle (2002), Der letzte Handyaner (2002) (gemeinsam mit Andrea Fehringer und Gerald Reischl). 2004 ist "Quoten Killer", sein erster Roman, erschienen.



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