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Morton. (Bild: conny.at)

MusicBlog: Eine Tort'n für Morton

8. Juni: Eine neue Band aus Österreich. Mit alten Bekannten. Gestern haben Morton im Wiener U4 ihr Debütalbum präsentiert. Mit einem feinen Live-Gig. Happy Birthday.


Ich weiß nicht, ob ich das schon mal erwähnt habe. Ich kann Musicals nicht ausstehen. Um Etablissements wie das Raimundtheater oder das Ronacher mache ich regelmäßig einen großen Bogen. Da würde ich mir eher eine Doppelfolge von "Der Bulle von Tölz" im Fernsehen anschauen als da rein zu gehen. Ich hab mir mal in einem Anflug von Wahnsinn die Vorpremiere von "Barbarella" gegeben. Weil Dave Stewart von den Eurythmics die Musik dazu geschrieben hat. Was schwer zu verzeihen ist. Genauso wie die peinliche Begebenheit, dass ich bei der Weltpremiere von "Elisabeth" leibhaftig dabei war. Das war härter zu ertragen als ein Schauprozess der Taliban. Und dennoch habe ich gestern einem Musical-Star applaudiert. Im knallvollen U4.



Ö3 MusicBlog

von Clemens Stadlbauer aus der Ö3 Musikredaktion. Der Alltag hinter den Schlagzeilen. Was im Radio keinen Platz mehr hat, aber trotzdem interessant ist. Hintergründe und Einblicke. Ganz privat. Mit Meinung. Aber Achtung: It's only Rock'n'Roll.

Rob Fowler ist der Sänger von Morton. Der fesche Engländer, der auch schon als Formel 1-Mechaniker gearbeitet hat, macht jetzt auf Rock. Was ihm definitiv besser steht als der Tod. Nur eine von vielen Rollen, mit denen er sich in der Musical-Szene einen Namen erschmachtet hat. Singen kann er also. Trotzdem war ich leicht skeptisch. Dass er jeden Rocksong gnadenlos outrierend gegen die Wände des Meidlinger Kellerlokals schmettert. Hat er aber nicht gemacht. Stattdessen Gefühl vor Technik. Dazu die gediegenen Riffs von seinem Partner, Gitarrist Zoltan Sebestyen, unterstützt von einer munter drauf los lärmenden Band.


Rob Fowler. (Bild: conny.at)


Zoltan kann jetzt endlich wieder lachen. Nachdem ihm das im Dezember 2003 kurzfristig vergangen war. Nach Lektüre eines Mails von seinem Ex-Partner Gary Cope, der darin völlig überraschend den sofortigen Rücktritt als Sänger von Loud 9 bekannt gegeben hatte. Wegen künstlerischer Differenzen und so. Was okay ist. Soll schon in besseren Bands vorgekommen sein. Nicht jedoch die Art und Weise. Ich meine. Eine öffentliche Aussendung an Medien und andere Adressaten, die dieser Psycho-Schmus nicht wirklich interessiert hat. Noch bevor man mit seinem Gitarristen darüber gesprochen hat ... Mit dem man immerhin einige respektable Hits hingekriegt hat. Das war unappetitlich. Umso erstaunlicher, dass Gary gestern auch im U4 vorbei geschaut hat. Von früheren Weggefährten allerdings komplett ignoriert. Offensichtlich haben die nicht nur seine Mail gelöscht. Sondern Gary gleich mit.


Morgen erscheint das Debütalbum "Pillowtalk". Die erste Single daraus ist gleich eine Coverversion. Was für eine neue Band, die ihren Sound erst mal etablieren muss, irgendwie merkwürdig ist. Aber auch bequem. Der Erfolg gibt Morton Recht. "Stop crying your Heart out" ist von Null auf Platz 19 in den Ö3 Austria Top 40 eingestiegen. Ein Erfolg für Oasis. Aber auch für Zoltan, der diesen brillanten Song ausgewählt hat. Die anfängliche Aufmerksamkeit ist Morton also sicher. Interessant wird es danach. Wenn sie sich mit ihrem eigenen Material behaupten müssen.


Morton. (Bild: conny.at)


Zum Schluss daher die Prognose. Morton werden mit ihrem gefälligen Mainstream-Rockpop ihren Weg gehen. Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Aber hoffentlich konsequent. Die erste große Etappe haben sie schon in Angriff genommen. Am 24. Juni spielen sie um 17.30 Uhr auf der Ö3-Bühne beim Donauinselfest. Man sieht sich.


Clemens Stadlbauer Portaitfoto (Bild: Stadlbauer)

Steckbrief Clemens Stadlbauer

Clemens Stadlbauer, geboren 1963 in Steyr/OÖ, aufgewachsen in Linz. Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien und Los Angeles. Wichtigste berufliche Stationen: Redakteur und Chefredakteur bei einem Privatradiosender und Magazinen, seit 1998 Musikredakteur beim Hitradio Ö3. Veröffentlichungen: Die größten Pechvögel des Jahrhunderts (1999), Die Glücksfalle (2002), Der letzte Handyaner (2002) (gemeinsam mit Andrea Fehringer und Gerald Reischl). 2004 ist "Quoten Killer", sein erster Roman, erschienen.



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