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Mick Jagger mit Mikro beim Singen (Bild: REUTERS/Loris Savino)

MusicBlog: Donnerwetter

It’s only Rock’n’roll. Stimmt so nicht ganz. Der Aufwand, den die Rolling Stones hier im Wiener Ernst Happel Stadion betreiben, geht ein bissl darüber hinaus. Aber: I like it.


Ö3 MusicBlog

von Clemens Stadlbauer aus der Ö3 Musikredaktion. Der Alltag hinter den Schlagzeilen. Was im Radio keinen Platz mehr hat, aber trotzdem interessant ist. Hintergründe und Einblicke. Ganz privat. Mit Meinung. Aber Achtung: It's only Rock'n'Roll.

Er wird sich zur Beruhigung ein paar Tequilas rein hauen und dann raus auf die Bühne stürmen, um voll abzurocken. Paolo Nutini sitzt im Hof vom Hotel Triest und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Beim Interview heute Mittag macht er einen entspannten Eindruck. Noch. Der Mann hat nämlich heute die ehrenvolle Aufgabe den Opener für die Stones zu geben. Und befindet sich damit in Gesellschaft von Acts wie Metallica, AC/DC oder Simple Minds.


Paolo Nutini mit Gitarre auf der Bühne (Bild: REUTERS/Leon Neal)

Seine erste Single „Last Request“ ist diese Woche in England auf Platz 5 in den Charts eingestiegen. In seiner Heimat Schottland ist er damit überhaupt gleich von Null auf Eins geschossen. Ein talentierter Newcomer mit einem kleinen Handicap: Bei uns kennt ihn genau niemand. Davon lässt er sich aber nicht irritieren. Auch nicht von der Tatsache, dass Hardcore-Fans der Rolling Stones in der Regel außer den Rolling Stones nichts interessiert. Allein die Tatsache, dass er auf derselben Bühne wie Mick Jagger stehen darf, ist für ihn Kick genug, um sein Bestes zu geben. Stagetime für Paolo ist um 19.30 Uhr.



So gegen 21.00 Uhr werden dann die Stones die Monsterbühne betreten. Schon etwas länger, nämlich seit Montag, ist die Tourcrew hier im Stadion am Werken. Die Zahlen der Superlative kennt man ja bereits zur Genüge: 275 Bühnenarbeiter und 120 lokale Helfer wurden benötigt, um die 300 Tonnen schwere, 70 Meter breite, 30 Meter hohe und 33 Meter tiefe Bühne aufzubauen, die aus fünf Ebenen besteht. Mit dem dafür nötigen Strombedarf, der durch fünfzig Kilometer Kabel gespeist wird, könnte man locker einen Tag lang eine Kleinstadt versorgen. Herangekarrt wurden die Teile von 126 Trucks und 17 Bussen. Eine Dimension, die man sich dann noch mal drei vorstellen muss. Weil der Aufbau so lange dauert, sind nämlich drei solche, komplett identische Produktionen zeitgleich in Europa unterwegs.


Keith Richards spielt auf der Bühne Gitarre (Bild: REUTERS/Loris Savino)


Soeben war Soundcheck. Einige talentierte Crewmitglieder haben auf den Instrumenten der Stones die Anlage einem Test ‚Pearl Harbour’ unterzogen. In anderen Worten: Es war ziemlich laut. Aber eigentlich ein lässiges Mini-Konzert. Die Techniker scheinen alle eine Vorliebe für erdigen Bluesrock zu haben. Bei der enormen Schwüle, die es hier hat, konnte man sich kurzfristig irgendwo im Süden der USA wähnen. Abkühlung soll aber bald in Form eines Unwetters kommen. In St. Pölten ist es schon über das Gelände des Nuke-Festivals herein gebrochen. Doch selbst Hagel konnte die gute Stimmung dort nicht trüben. Recht so. Auch wir hier in Wien sind nicht aus Zucker. Außerdem. Ein paar Blitze mehr oder weniger spielen bei der gigantischen Lichtshow, die die Rolling Stones hier auffahren werden, keine besondere Rolle. Hauptsache, die Stones schlagen voll ein.


Ö3 Musik-Redakteur Clemens Stadlbauer. (Bild: Stadlbauer)

Steckbrief Clemens Stadlbauer

Clemens Stadlbauer, geboren 1963 in Steyr/OÖ, aufgewachsen in Linz. Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien und Los Angeles. Wichtigste berufliche Stationen: Redakteur und Chefredakteur bei einem Privatradiosender und Magazinen, seit 1998 Musikredakteur beim Hitradio Ö3. Veröffentlichungen: Die größten Pechvögel des Jahrhunderts (1999), Die Glücksfalle (2002), Der letzte Handyaner (2002) (gemeinsam mit Andrea Fehringer und Gerald Reischl). 2004 ist "Quoten Killer", sein erster Roman, erschienen.



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