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![]() MusicBlog: Amtlich10. August: Ich hab gestern kurz mal in der Hölle vorbei geschaut. Um mir eine Brise Gegengift für die momentane Überdosis Robbie Williams zu verabreichen. Ministry waren nicht knauserig. Jetzt bin ich wieder ausgeglichen. Ich versuche mich heute kurz zu halten, weil ich weiß, dass ich mit jedem weiteren Satz in die größte Themenverfehlung in der Geschichte dieser Homepage hinein schlittere. Eine Band wie Ministry hat auf Ö3 eigentlich nichts verloren. So viel ist amtlich. Ö3 MusicBlogvon Clemens Stadlbauer aus der Ö3 Musikredaktion. Der Alltag hinter den Schlagzeilen. Was im Radio keinen Platz mehr hat, aber trotzdem interessant ist. Hintergründe und Einblicke. Ganz privat. Mit Meinung. Aber Achtung: It's only Rock'n'Roll. Dennoch. Das war schon schwer in Ordnung, was Al Jourgensen da gestern im knallvollen Wiener Planet Music abgeliefert hat. Man hat ja im Vorfeld nur Gutes gehört. Von einem Sensations-Gig heuer beim Donauinselfest war da die Rede. Den ich leider verpasst habe. Ein zweites Mal sollte mir das nicht passieren. Also nichts wie hin. Im hellbeigen Hemd. Dem einzigen Kleidungsstück in der Konzerthalle, das nicht schwarz war. Diesen modischen Fauxpas hab ich aber gekonnt kompensiert, indem ich umso böser drein geschaut habe. Erst recht, als ein völlig durchgeknallter Typ, der ausgeschaut hat wie einer dieser muskelbepackten Surf-Punks aus "Gefährliche Brandung", kommentarlos meinen Bierbecher, der noch halb voll war, in einem Zug ausgetrunken hat. ![]()
Natürlich sind Ministry heute nicht mehr das, was sie mal waren. Wobei das jetzt gar nicht mal negativ gemeint ist. Nach der Trennung von Langzeitkumpel Paul Baker vor drei Jahren hat Al nicht krampfhaft versucht, die glorreichen Zeiten der frühen Neunziger Jahre künstlich wieder zu beleben, sondern hat stattdessen sein Ministerium mit einer radikalen Personalpolitik umstrukturiert. Heraus gekommen ist eine All-Star-Band der Düsternis. Oder wie mein Kollege Wolfgang Domitner es treffend formuliert hat: Ministry sind die Traveling Wilburys des Industrial Metal. Als da wären: Gitarrist Tommy Victor von Danzig und Prong. Schlagzeuger Joey Jordison von Slipknot. Bassist Paul Raven von Killing Joke und Godflesh. Keyboarder John Bechdel von Fear Factory. Und der zweite Gitarrist Mike Scaccia von Rigor Mortis. Kann man so lassen. Vor allem bei der Gangart. Weg von den Computern. Hin zu den Gitarren-Riffs. In dieser Besetzung klingt die Band wieder härter, kompromissloser und punkiger. Nachzuhören auch auf dem aktuellen Album "Rio Grande Blood". ![]()
Erstaunlich auch, welch fitten Eindruck Al Jourgensen gestern auf der Bühne gemacht hat. Immerhin hat der gebürtige Kubaner seinen ersten Drogenentzug als vierzehnjähriger Knabe absolviert. In diesem Alter war ich noch süchtig nach Bazooka. Heute ist der 47-jährige Frontman völlig drogenfrei. Nicht ganz ohne Nebenwirkung. Al schaut jetzt aus wie Ozzy Osbourne. Hoffentlich wird er nicht rückfällig. ![]() Steckbrief Clemens StadlbauerClemens Stadlbauer, geboren 1963 in Steyr/OÖ, aufgewachsen in Linz. Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien und Los Angeles. Wichtigste berufliche Stationen: Redakteur und Chefredakteur bei einem Privatradiosender und Magazinen, seit 1998 Musikredakteur beim Hitradio Ö3. Veröffentlichungen: Die größten Pechvögel des Jahrhunderts (1999), Die Glücksfalle (2002), Der letzte Handyaner (2002) (gemeinsam mit Andrea Fehringer und Gerald Reischl). 2004 ist "Quoten Killer", sein erster Roman, erschienen. |
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