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Radio CD. (Bild: radiocd.at)

MusicBlog: Radio CD-Wechsler

11. August: Hätte das legendäre Radio CD am heutigen Markt eine Chance? Falls ja, wer wäre dann Senderchef von Ö3? Und wer würde diesen Blog schreiben?


Manche Gags sind so gut, dass man sie durchaus noch einmal bringen kann (mit dem folgenden hab ich die werte Leserschaft vor ca. einem halben Jahr das letzte Mal erheitert). Also. Radio CD International war Anfang der Neunziger Jahre ein Privatsender, der aus Bratislava über die Grenze in den Großraum Wien gestrahlt hat, um dort als Alternative zum ORF-Monopol ein bissl Abwechslung in den Äther zu bringen. Und das durchaus erfolgreich. Als Privatradiopioniere an vorderster Front von Anfang an dabei waren u.a. Georg Spatt, heutiger Senderchef von Ö3, und ich, heute in der Musikredaktion von Ö3 tätig. Jetzt endlich der Gag. Die Zeiten haben sich zwar geändert, das Ziel ist jedoch dasselbe geblieben. Nur mit dem Unterschied, dass wir früher Ö3 von außen angegriffen haben. Heute greifen wir von innen an. Das ist viel effektiver.


Ö3 MusicBlog

von Clemens Stadlbauer aus der Ö3 Musikredaktion. Der Alltag hinter den Schlagzeilen. Was im Radio keinen Platz mehr hat, aber trotzdem interessant ist. Hintergründe und Einblicke. Ganz privat. Mit Meinung. Aber Achtung: It's only Rock'n'Roll.

Alte Anekdoten wurden auch gestern Abend auf der Wiener Summerstage am Wiener Donaukanal aufgewärmt. Wo sich ein paar CD-Veteranen getroffen haben. Einfach so. Weil man einander mag. Dazu bedarf es keines besonderen Jubiläums so wie bei Klassentreffen. Wenn man jahrelang gemeinsam den Wahnsinn gelebt hat, dann bindet das. Das hat man gestern auch wieder gemerkt. Als man zwangsläufig sentimental geworden und in Erinnerungen geschwelgt ist. Das einzig Bedenkliche dabei: Jeder der Anwesenden hat mindestens eine Anekdote von einer Wahnsinnsparty oder einem Megabesäufnis erzählt, an die sich keiner der anderen auch nur annähernd erinnern konnte. Obwohl alle hundertprozentig dabei gewesen sind. Denn damals haben wir alles gemeinsam gemacht. Berufs- und Privatleben waren dasselbe. Erstaunlich eigentlich, dass wir diesen selbstzerstörerischen Trip halbwegs unbeschädigt überlebt haben.


Radio CD. (Bild: radiocd.at)


Dass da kein komplett falscher Eindruck entsteht. Wir haben zwischen den diversen Festivitäten auch was gearbeitet. Wenn es sein musste, rund um die Uhr. Zwar hatte niemand so wirklich einen Plan. Oder gar ein Konzept. Aber das war auch nicht so wichtig. Senderchef Gotthard Rieger, dem ich vieles verdanke, was mich später dann beruflich weitergebracht hat, war da eher grob visionär unterwegs. Vollstes Vertrauen in seine Mitarbeiter. Jeder, der verrückt genug war, seinen Lebensmittelpunkt hinter den Eisernen Vorhang zu verlagern, um von einem Asbestverseuchten Studio in der Tschechoslowakei Ostösterreich von der Diktatur des Einheitsfunks zu befreien, hatte gute Chancen, bei diesem Sender Karriere zu machen, auch wenn er vom Radiomachen bis dahin nicht die geringste Ahnung gehabt hatte. So wie ich. Dann hieß es eben learning by doing. Hauptsache, die Leidenschaft für diese einzigartige Mission hat gestimmt. Der Erfolg hat Gotthard, einem der letzten wahrhaften Rocker in dieser Branche, letztlich recht gegeben. In den goldenen Jahren zumindest. Das Ende war ja dann eher unrühmlich. Als die Lugners ins Spiel gekommen sind. Die Sendung mit der Mausi. Nein danke. Aber da war ich Gott sei Dank eh schon Geschichte.


Aus allen ist heute was geworden. Viele Ex-CDler sitzen in Top-Positionen und haben ein erfülltes Berufsleben. Ein ziemliches Netzwerk eigentlich. Auf das wir aber kaum aktiv zurückgreifen. Das wäre dann doch ein bissl unappetitlich. Dennoch ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass man in dieser Branche nicht allein auf verlorenem Posten kämpft. Die verrückten Radiofreaks von einst sind heute noch immer und überall. Und ich freu mich schon darauf, sie wieder persönlich zu treffen. Bei einem Bier, oder zwei. In einem Jahr, oder zwei.



Clemens Stadlbauer Portaitfoto (Bild: Stadlbauer)

Steckbrief Clemens Stadlbauer

Clemens Stadlbauer, geboren 1963 in Steyr/OÖ, aufgewachsen in Linz. Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien und Los Angeles. Wichtigste berufliche Stationen: Redakteur und Chefredakteur bei einem Privatradiosender und Magazinen, seit 1998 Musikredakteur beim Hitradio Ö3. Veröffentlichungen: Die größten Pechvögel des Jahrhunderts (1999), Die Glücksfalle (2002), Der letzte Handyaner (2002) (gemeinsam mit Andrea Fehringer und Gerald Reischl). 2004 ist "Quoten Killer", sein erster Roman, erschienen.



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