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Robbie beim Wien-Gig. (Bild: oe3.orf.at-User)

MusicBlog: Auf Nimmer Wiedersehen

21. August: Gestern um 16.00 Uhr hat Robbie Williams Österreich in Richtung Schweiz verlassen. Gott sei Dank. Ich hoffe, dass er so schnell nicht wiederkommt. Vor allem seinem Management weine ich keine Träne nach.


Die Konzertübertragung haben wir ganz gut hingekriegt. Zumindest war das gewaltige Feedback der Hörer überwiegend positiv. Danke dafür. Als wir Samstag um Punkt Mitternacht aus der fünfstündigen Sondersendung rüber zu den Nachrichten geschaltet haben, haben wir mit einem Bier auf die pannenfreie Übertragung angestoßen, einander umarmt, und den großen Stein, der uns vom Herzen gefallen ist, gemeinsam bei der Studiotür raus gerollt.


Ö3 MusicBlog

von Clemens Stadlbauer aus der Ö3 Musikredaktion. Der Alltag hinter den Schlagzeilen. Was im Radio keinen Platz mehr hat, aber trotzdem interessant ist. Hintergründe und Einblicke. Ganz privat. Mit Meinung. Aber Achtung: It's only Rock'n'Roll.

Jetzt können sich die Schweizer mit Robbie Williams und seinem hundertköpfigen Begleittross abplagen. Mikromann Tom Walek, der die undankbare Aufgabe hatte, den Wien-Aufenthalt des arroganten Stars eine Woche lang zu dokumentieren, wollte gestern auf Nummer Sicher gehen und sich am Flughafen persönlich davon überzeugen, dass Robbie auch ja wirklich in seinem Privatjet eingecheckt hat. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Besonders nach dem Irrsinn, der sich Donnerstagnacht abgespielt hat.


Da hat Tom herausgefunden, dass Robbie Williams mit Freunden zwei Stunden lang in einer Sporthalle Fußball spielen will. Und ist natürlich sofort dort hin gefahren, um das zu überprüfen, bevor er davon am nächsten Tag im Ö3-Wecker erzählt. Mehr hat er nicht gebraucht. Die Security hat ihn wie einen Schwerverbrecher verjagt. Obwohl er nur am Parkplatz herum gestanden ist. Keine Rede davon, dass er mit Gewalt ins Gebäude eindringen wollte. Oder gar, dass er sich eine wilde Verfolgungsjagd geliefert hätte. Aber genau diese Vorwürfe habe ich mir in unzähligen Krisentelefonaten in dieser Nacht anhören müssen. Das Management war so stinksauer, dass man allen Ernstes die weltweite Übertragung absagen wollte! Weil einer unserer Reporter es gewagt hat, vor einer Halle herum zu lungern, in der ein berühmter Sänger kickt.


Robbie blickt ins Publikum. (Bild: oe3.ORF.at-User)


Selber Schuld, kann ich nur sagen. Was führt er sich auch so paranoid auf? Okay, der Mann ist ein Superstar. Andererseits. Im Schnitt sind nur so dreißig Fans vorm Hotel Triest abgehängt. Da hatten ja sogar die alten Herren von den Rolling Stones mehr Bewunderer vor dem Hotel Imperial herum stehen. Kein Autogramm. Kein Winken. Kein Lächeln. Nichts. Stattdessen ständiges Versteckspiel. Sicherheitsbeamte immer und überall. Ständig auf der Flucht. Fragt sich nur vor wem? Vor den knallharten österreichischen Paparazzi? Und ihren bekannt miesen Methoden, wenn sie sich von Kampfhubschraubern auf gegenüberliegende Dächer herab seilen?


Jedenfalls waren wir wegen dieser Lappalie beim Management ab sofort unten durch. Was unsere Arbeit im Stadion nicht gerade erleichtert hat. Interviews mussten prinzipiell vorher abgesegnet werden. Auch wenn gestandene Profis wie etwa Stagemanager Steve Iredale, der schon mit Acts wie U2 oder Michael Jackson auf Tour gewesen ist, gerne von sich aus geplaudert hätten. Diese Haudegen sind ja schließlich keine kleinen Wichtigtuer, die sich unnötig aufspielen wollen. Peinlich für alle Beteiligten. Irgendwann ist uns die ewige Warterei auf gnädige Zusagen zu blöd geworden. Also sind wir den Managern aus dem Weg gegangen. Und haben auf eigene Faust gehandelt. Auch beim Interview mit Stephen Duffy. Der übrigens gerne mit uns geredet hat. Näher kann man an Robbie Williams nicht rankommen. Den haben wir uns – so wie viele andere Gesprächspartner auch – einfach selber gecheckt. Vielleicht droht uns ja deswegen noch eine Klage.


Da sind sie nämlich echt nicht zimperlich. Auf meinem Schreibtisch liegt ein Fax von einem Rechtsanwalt, in dem mir mit einer Klage gedroht wird, wenn ich den Inhalt dieses Faxes thematisiere. Mache ich natürlich nicht. Aber allein die Tatsache, dass ich schreibe, dass es so ein Schreiben gibt, kann schon rechtliche Konsequenzen haben. Steht tatsächlich sinngemäß so im letzten Absatz drin. Also habe ich hiermit bereits gegen den Willen des Managements gehandelt. Das halte ich aus. Ich meine. Viel absurder geht es wirklich nicht mehr. Mittlerweile verstehe ich voll und ganz, warum einige Kollegen in Deutschland die Berichterstattung über die Konzerte boykottiert haben. Wäre ich nicht für die Übertragung verantwortlich gewesen, hätte ich mich sicher nicht so diplomatisch verhalten.


Robbie bei seiner Show in Wien. (Bild: oe3.orf.at-User)


Jetzt hat ja Ö3 in den letzten Wochen nicht gerade wenig Promotion für Robbie Williams gemacht. Da hätte man sich auch dafür bedanken können. Egal. Stattdessen wird man angefeindet. Und es wird einem die Arbeit erschwert. Das Management bestimmt in allen noch so kleinen Angelegenheiten, was Sache ist. Befremdlich. Erinnert irgendwie an eine Diktatur. Und das in unserem eigenen Land, wo diese schmierigen Typen eigentlich nur zu Gast sind. Aber sie kommen damit durch. Noch. Weil sie eben einen Superstar wie Robbie Williams als Trumpf haben. Wenn sie ihn jedoch weiterhin so gnadenlos verheizen, nicht mehr lange. Allein schon diese ungustiösen Werbeeinschaltungen vor dem Auftritt ... Die Musikgeschichte wird es zeigen. Ich glaube, dass Robbie Williams seinen Karrierehöhepunkt bereits hinter sich hat. Man kann nur hoffen, dass er rechtzeitig seine Manager feuert. Sonst steht beim nächsten Österreich-Konzert, bis zu dem es hoffentlich noch ewig lange hin ist, überhaupt kein Fan mehr vor seinem Hotel.


Clemens Stadlbauer Portaitfoto (Bild: Stadlbauer)

Steckbrief Clemens Stadlbauer

Clemens Stadlbauer, geboren 1963 in Steyr/OÖ, aufgewachsen in Linz. Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien und Los Angeles. Wichtigste berufliche Stationen: Redakteur und Chefredakteur bei einem Privatradiosender und Magazinen, seit 1998 Musikredakteur beim Hitradio Ö3. Veröffentlichungen: Die größten Pechvögel des Jahrhunderts (1999), Die Glücksfalle (2002), Der letzte Handyaner (2002) (gemeinsam mit Andrea Fehringer und Gerald Reischl). 2004 ist "Quoten Killer", sein erster Roman, erschienen.



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