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"Das wilde Leben" der Uschi Obermaier
Für die bürgerliche Welt der 60er Jahre war ihr Leben ein einziger Skandal: freie Liebe, das unkonventionelle Leben in der Kommune I, Drogen und wilde Parties mit Rockstars empfanden viele als Inbegriff der Dekadenz.
Uschi Obermaier gilt als erstes deutsches Groupie. Sie hatte Affären mit Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones und mit Jimi Hendrix.
Für Uschi Obermaier war jedoch genau das erstrebenswert. Wie kaum eine andere junge Frau vor ihr erfüllte sich die lebenshungrige Fotoretuscheurin aus München ihre Jungmädchenträume, wurde Top-Model, Geliebte von Mick Jagger, Keith Richards und Jimi Hendrix und zur Stilikone ihrer Zeit. Mit dem Autor Olaf Kraemer hat sie die Autobiographie "High Times - Mein wildes Leben" verfasst.

Buch von Verlagen abgelehnt
Selbst Obermaier (60), die inzwischen nahe Los Angeles als Schmuckdesignerin lebt, war geschockt, als Kraemer ihr 1992 die monatelangen Interviews als Manuskript präsentierte. "Uschi hat von sich aus gesagt, dass ist mir viel zu hart", erzählt Kraemer. Auch viele Verlage lehnten das Buchprojekt ab. Erst als der Heyne Verlag Interesse signalisierte, lenkte Obermaier ein. Dass das Buch gerade jetzt erscheint, hält Kraemer nicht für Zufall. "Die Leute sind spießiger geworden", glaubt er, und sehnten sich deshalb nach den aufregenden 1960er Jahren.
Uschi Obermaier: Das wilde Leben (Autobiographie), Hoffmann und Campe, Hamburg 1994, ISBN 3-455-08603-9
Wie Schwestern: Natalia Avelon (li.) und Uschi Obermaier, die die deutsche Schauspielerin in "Das wilde Leben" darstellt.
Das Kinodebüt von Regisseur Achim Bornhak mit TV-Serienschauspielerin Natalia Avelon ("Marienhof") und Matthias Schweighöfer ("Kammerflimmern") in den Hauptrollen schildert wie sich die selbstbewusste Frau gegen den prüden Zeitgeist auflehnt und mit starkem Willen durchboxt.
Avelon hat dabei das lebende Vorbild gut verinnerlicht: Nicht nur vom Aussehen könnte man beide für Schwestern halten. Sogar Obermaiers bayerischen Akzent eignete sich die 26-Jährige an.
Kritik: Zu weich gezeichnet
Kritiker werfen dem Film vor, das Leben Obermaiers von der sexuellen Revolution bis hin zum exzessiven Partyleben mit Mick Jagger und Keith Richards weich gezeichnet zu haben. Er verkommt zur netten Liebesgeschichte, passend gemacht für einen breiten Publikumsgeschmack. Obermaiers Heroinsucht und ihr Absturz mit dem Hamburger Kiez-Granden Dieter Bockhorn werden nur angedeutet.
Uschi Obermaier hat inzwischen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten und lebt heute in Topanga Canyon bei Los Angeles und arbeitet als Schmuckdesignerin.
Nicht filmreif als deutsche Sophia Loren
Uschi Obermaier wirkte selbst auch in mehreren Filmen mit. So spielte sie 1968 in "Detektive" neben Iris Berben unter der Regie von Rudolf Thome. In dem Film "Rote Sonne" von 1969 war sie sogar Hauptdarstellerin.
Der (vor kurzem verstorbene) italienische Produzent Carlo Ponti, Förderer von Gina Lollobrigida, Brigitte Bardot und Sophia Loren (deren Ehemann er wurde), bot ihr einen Zehn-Jahres-Vertrag an. Sie sollte zehn Filme in zehn Jahren drehen, den ersten unter der Regie von Michelangelo Antonioni. Obermaier lehnte jedoch ab.
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