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![]() MusicBlog: Simply complicated12. Februar: Wir haben doch keine Zeit. Das Ö3-Privatkonzert von Simply Red im Wiener Radiokulturhaus hat Freitagabend pünktlich begonnen. Überpünktlich. Weil Mick Hucknall Wert auf geregelte Arbeitszeiten legt. Billy Idol ist ähnlich drauf. Bei seinem großartigen Konzert vor zwei Jahren im Wiener Gasometer hat er Punkt 20.00 Uhr die Bühne betreten. So wie es auf den Eintrittskarten angekündigt war. Ein pünktlicher Punk eben. Sehr zum Schreck jener Fans, die sich draußen im Foyer noch gemütlich bei einem Bier auf die Show eingestimmt haben. Und sehr zum Unmut jener, die noch nicht mal annähernd in der Nähe der Halle gewesen sind. Billy was dancing for himself. Dreißig Minuten lang vor fast leerem Haus. Ö3 MusicBlogvon Clemens Stadlbauer aus der Ö3 Musikredaktion. Der Alltag hinter den Schlagzeilen. Was im Radio keinen Platz mehr hat, aber trotzdem interessant ist. Hintergründe und Einblicke. Ganz privat. Mit Meinung. Aber Achtung: It's only Rock'n'Roll. Showtime Simply Red. Hundert Ö3-Hörer haben am Freitag einen unvergesslichen Abend erlebt. Zur Gänze. Denn ein wahrer Fan geht auf Nummer Sicher und erscheint überpünktlich zum Event. So eine Straßenbahn ist schließlich schnell mal entgleist. Der Run auf das Gewinnspiel auf unserer Homepage war gewaltig. 7.500 Ö3-Hörer wollten Simply Red im intimen Rahmen erleben. Da hätten wir fast die Wiener Stadthalle füllen können. Die glücklichen Gewinner waren jedenfalls alle vollzählig anwesend, als Simply Red viel zu früh mit ihrem Showcase los gelegt haben. Von den anderen hundert Plätzen, die für geladene Gäste reserviert waren, sind hingegen einige Reihen anfangs leer geblieben. VIPs pflegen nämlich gerne ganz knapp vorher oder leicht verspätet zu erscheinen. Die anderen werden schon warten. Irrtum. Mick Hucknall tanzt gerne nach seiner eigenen Pfeife. Das Ö3 Privatkonzert von Simply RedGedämpftes, abwechselnd rötlich und bläulich schimmerndes Licht. Die Vorhänge auf der Bühne glitzern silbern: Für die exklusive Österreich-Live-Premiere des neuen Albums "Stay" der britischen Popgruppe Simply Red bot das Wiener RadioKulturhaus am Freitagabend einen perfekten Rahmen. ![]()
Zwei Stunden zuvor im Hotel Triest. Interviewtermin. Ich wie immer überpünktlich. So ein Taxi hat sich schließlich schnell mal verfahren. Außerdem pflege ich gerne im Vorfeld Smalltalk mit dem Management und mit Kollegen zu führen. Diesmal allerdings leicht gereizte Stimmung im Foyer. Im Fall von Mick Hucknall nicht wirklich außergewöhnlich. Der Mann ist bekannt schwierig. Eine männliche Diva. Bei meinen letzten beiden Interviews war er allerdings ganz Gentleman. Zuvorkommend, eloquent, charmant. Doch diesmal hat ihn offenbar irgendetwas extrem genervt. So sehr, dass er vor Wut jeden Moment durch die Decken von zwei Stockwerken des Hotels gehen könnte, wie mir sein persönlicher Berater anvertraut hat. Da kommt Vorfreude aufs Interview auf. Ein simpler Kommunikationsfehler im Timetable. Auf allen Einladungen ist als Showtime 21.00 Uhr angegeben gewesen. Ebenso auf allen Ridern in der Produktion. Die Band war auf 21.00 Uhr programmiert. Nur im Infosheet von Mick ist – niemand weiß warum – 20.30 Uhr gestanden. Also hat er für 22.00 Uhr einen Tisch in einem Wiener Innenstadtlokal reserviert. Als er dann erfahren hat, dass sich alles um eine halbe Stunde nach hinten verschiebt, ist er ausgezuckt. Völlig verständlich natürlich. Wien ist Los Angeles. Welcher heimische Wirt hält für einen internationalen Superstar schon gerne einen reservierten Tisch ein bisschen länger frei? Was wenn zufällig eine hungrige Barbara Karlich rein schneit? Eben. Dann kann sich der Herr Hucknall am nächsten Würstelstand brausen gehen. Ich glaube, da ist es ihm dann doch eher ums Prinzip gegangen. Der berüchtigte Sturschädel eben. Von wegen sanfte Stimme. 20.30 Uhr!!! Mit allem Nachdruck. Durch kleine Tricks ist es seinem Betreuerstab aber dann doch noch irgendwie gelungen, zumindest eine Viertelstunde raus zu schinden. Die Technik hat noch Probleme ... Ein kleiner Umweg vom Hotel zur Location ... Wer hat an der Uhr gedreht? ![]()
Den Fans war der verfrühte Auftritt jedenfalls schwer recht. Sie haben es eh kaum noch erwarten können, ihren Lieblingssänger so hautnah zu erleben. Das Konzert war kurz, aber intensiv. Zwei der neuen Songs, "Stay", der Titeltrack des neuen Albums, und "The World and You tonight" haben das Potenzial zu Mega-Hits. Im Interview hat Mick Hucknall gemeint, dass er mit diesem Album auf der Höhe seiner Kunst angelangt sei. Dementsprechend gut gelaunt war er auch. Seinen Ärger über das Chaos mit den Auftrittszeiten hat er jedenfalls nicht an den Journalisten ausgelassen. Und die anschließenden Begeisterungsstürme des Publikums dürften seine Stimmung auch noch beträchtlich gehoben haben. Zugabe hat er allerdings keine gegeben. Verständlich. Sonst wäre der Tisch weg gewesen. ![]() Steckbrief Clemens StadlbauerClemens Stadlbauer, geboren 1963 in Steyr/OÖ, aufgewachsen in Linz. Studium der Theaterwissenschaft und Publizistik in Wien und Los Angeles. Wichtigste berufliche Stationen: Redakteur und Chefredakteur bei einem Privatradiosender und Magazinen, seit 1998 Musikredakteur beim Hitradio Ö3. Veröffentlichungen: Die größten Pechvögel des Jahrhunderts (1999), Die Glücksfalle (2002), Der letzte Handyaner (2002) (gemeinsam mit Andrea Fehringer und Gerald Reischl). 2004 ist "Quoten Killer", sein erster Roman, erschienen. |
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