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Leo Aberer in Indonesien (Bild: Leo Aberer)

Leo Aberers ganz persönliches Tagebuch

Mit seiner Gitarre im Gepäck hat Leo Indonesien einen Besuch abgestattet. Seine Eindrücke hat er auf Video festgehalten, seine Gedanken einem Tagebuch anvertraut. Uns hat er einen Auszug daraus geschickt.


"In meinem bisherigen Leben ist mir noch niemals zuvor eine derartig ehrliche Herzlichkeit und Offenheit begegnet. Und wieder einmal mehr muss ich erkennen, wie Elend, Leid und Freude miteinander verbunden sind.

Wenn ich diese Bilder imaginär vor meinen Augen vorbeiziehen lasse und mich eine schier unglaubliche Sehnsucht nach diesem wunderbaren Land überkommt: Dieser Geruch, das Glitzern der makellosen Strände, diese Lebensfreude trotz Einfachheit und der puren Härte des dortigen Lebens.

Und trotzdem wirst du von einer Mystik erfasst – wie niemals zuvor erlebt – oder gerade deswegen...


Video: Leos Erinnerungen an Indonesien


Wenn sich die Welt in dieser Form weiterentwickelt und sich die Kälte der Menschen, die Kriege, der Klimawandel und Technologien schleichend weiter vollziehen, was wird dann aus dem Rest der denkenden und gefühlsbetonten Menschen? Werden diese Kinder dann immer noch im Sand und Meer spielen? Der Dschungel und dessen Tiere in unbeschwertem Einklang leben können?

Ich wünsche es mir so sehr, aber ich weiß auch, dass ich nur ein ganz kleiner, unscheinbarer Teil davon bin. Stets drängte ich mich, jemand ganz besonders Wichtiger zu werden.


Leo mit indonesischen Schulkindern. (Bild: Leo Aberer)


Jeder Mensch ist ein Teil dieser Welt, also auch von Bedeutung für diese. So wurde es uns, als wir noch kleine, unbeholfene Kinder waren, gelehrt.
Obwohl da natürlich soziale Unterschiede eine exorbitante Rolle spielen. Wir streben nach Anerkennung, Macht, Geld und dem perfekten Partner. Und jetzt – in diesem Moment, wo ich diese Zeilen zu Papier bringe – fällt mir auf, dass die Reihung vielleicht eine andere sein sollte, und nichts auf dieser bunten Welt perfekt ist.

Der Sog lässt mich ständig nach mehr streben, aber mein Herz fühlt sich so beengend leer an.
Ich vergleiche es mit einem ausgehöhlten Apfel, welcher, übersät von dem Gewürm, sich an seinem Fleische nährt.

Doch in diesem Land ist etwas mit mir geschehen.
Mein totgeglaubtes Herz wurde wieder zum Leben erweckt und von noch nie da gewesenen Gefühlen erfüllt.


Leo Aberer singt mit dem Elefanten Jumbo. (Bild: Leo Aberer)


Der Apfel trägt noch Kerne ins sich, die durch Liebe und Pflege fähig sind zu überleben und neues Leben schenken. Würmer und Fäulnis weichen, um Platz für neues Leben zu machen.
Wie einfach und simpel doch manches sein kann. Mein Seelenfrieden ist zu mir gekehrt, in diesem Land, das nicht von Materialismus strotzt.

Das erste Mal in meinem Leben ist mir bewusst geworden, warum Gott mir meine Talente geschenkt hat. Nicht, um mich zu messen oder aus der Masse herauszustechen, sondern den Menschen für kurze Augenblicke Leichtigkeit zu vermitteln, ohne dabei mein Selbst zu verlieren – meine Seele bleibt bei mir. Für diese spürbare Erkenntnis bin ich dem abgeschotteten Dschungeldorf dankbar. Ich weiß, dass ich diese Gefühle nicht für immer halten kann und sie vergänglich sind.

Ich schließe meine Augen... versuche dieses Gefühl einzufangen - zu ankern... Doch bereits jetzt ist es nicht mehr so, wie es einmal war... Ich ziehe mich in meine Zivilisation zurück... Einsamkeit überkommt mich und lebe - lebe weiter als Einsiedler..."





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