Cara Delevingne bei der Burberry Show im Rahmen der London Fashion Week

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Auch Cara Delevingne wirft Weinstein Belästigung vor

Nach einer Reihe von anderen Prominenten hat auch Model und Schauspielerin Cara Delevingne Hollywood-Produzent Harvey Weinstein sexuelle Belästigung vorgeworfen. Sie will anderen Frauen und Mädchen Mut machen, darüber zu reden.

Die 25-jährige Britin ließ am Mittwoch eine Erklärung veröffentlichen, in der sie einen „unangenehmen Anruf“ von Weinstein schilderte. Darin habe er sie über ihre Sexualität ausgefragt.

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„Er sagte mir, wenn ich homosexuell wäre oder entschiede, mit einer Frau zusammen zu sein, insbesondere in der Öffentlichkeit, würde ich niemals eine Rolle als heterosexuelle Frau bekommen oder es als Schauspielerin in Hollywood schaffen“, erklärte Delevingne. Ein oder zwei Jahre später sei sie zu einem Treffen mit Weinstein und einem Regisseur in einer Hotellobby eingeladen worden. Nachdem der Regisseur gegangen sei, habe Weinstein damit angegeben, dass er Schauspielerinnen, die mit ihm geschlafen hätten, zu einer Karriere verholfen habe.

Dann habe er sie in sein Hotelzimmer eingeladen. Delevingne schlug die Einladung nach eigener Aussage zunächst aus, sei dann aber mit Weinstein mitgegangen, nachdem dessen Assistentin ihr gesagt habe, dass ihr Wagen noch nicht bereit stehe. „In diesem Moment habe ich mich sehr machtlos gefühlt“, erklärte die Schauspielerin.

In Weinsteins Hotelzimmer habe sich eine andere Frau befunden und der Produzent habe sie aufgefordert, sich zu küssen. Delevingne erklärte, dies habe sie abgewendet, indem sie angeboten habe etwas vorzusingen. Danach habe sie erneut gesagt, dass sie gehen müsse. „Er brachte mich zur Tür und stellte sich davor und versuchte, mich auf den Mund zu küssen“, schrieb die 25-Jährige. „Ich stoppte ihn und schaffte es aus dem Zimmer hinaus.“

„Es ist niemals eure Schuld!“

Im Onlinedienst Instagram, wo Delevingne 40 Millionen Abonnenten hat, erklärte sie, sie sei nun „erleichtert“, dass sie die Vorfälle öffentlich gemacht habe. „Ich bin stolz auf Frauen, die mutig genug sind, um darüber zu reden.Ich will, dass alle Frauen und Mädchen, die belästigt oder missbraucht wurden wissen, dass sie niemals Schuld sind.“ Zugleich rief sie andere Opfer von sexuellen Übergriffen auf, ebenfalls darüber zu sprechen. „In jeder Branche und insbesondere in Hollywood missbrauchen Männer ihre Macht und kommen damit davon“, schrieb die Schauspielerin. Jeder, der die Täter verteidige, sei „Teil des Problems“.

I want women and girls to know that being harassed or abused or raped is NEVER their fault and not talking about it will always cause more damage than speaking the truth. I am relieved to be able to share this....i actually feel better and I'm proud of the women who are brave enough to speak....this isn't easy but there are strength in our numbers. As I said, this is only the beginning. In every industry and especially in Hollywood, men abuse their power using fear and get away with it. This must stop. The more we talk about it, the less power we give them. I urge you all to talk and to the people who defend these men, you are part of the problem

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Die „New York Times“ hatte zunächst berichtet, dass Weinstein Frauen wiederholt sexuell belästigt habe. Daraufhin wurde er am Wochenende von seinem eigenen Filmstudio entlassen. Der Produzent zahlreicher Hollywood-Kassenschlager soll den Frauen versprochen haben, ihnen im Gegenzug für Sex bei ihrer Filmkarriere zu helfen. Am Dienstag berichtete das Magazin „New Yorker“ über Vergewaltigungsvorwürfe von drei Frauen gegen den 65-jährigen. Weinsteins Frau Georgina Chapman gab daraufhin ihre Trennung von dem Produzenten bekannt.

„Jeder Mann, der Frauen in solcher Art erniedrigt und herabsetzt, muss verurteilt und zur Rechenschaft gezogen werden, unabhängig von seinem Reichtum oder Status“, erklärten der ehemalige US-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle . Zugleich lobten sie den Mut der Frauen, die nun mit ihren „schmerzhaften Geschichten“ an die Öffentlichkeit gegangen seien. Auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, zeigte sich „schockiert und angewidert von den Enthüllungen über Harvey Weinstein“. Laut „New Yorker“ sorgte der Produzent mit Hilfe seiner Pressesprecher und Anwälte jahrzehntelang dafür, dass sein Verhalten nicht öffentlich gemacht wurde.

Die Liste der Frauen, die Opfer von Weinsteins Verhalten wurden, wird immer länger: In der „New York Times“ vom Dienstag berichteten die Hollywoodstars Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie, sie hätten sich Weinsteins sexuellen Belästigungen widersetzt.

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Auch die französische Schauspielerin Léa Seydoux warf Weinstein am Mittwoch vor, sie sexuell bedrängt zu haben. Dieser habe sie in sein Hotelzimmer eingeladen und sie dort „angesprungen“ und versucht, sie zu küssen, sagte die 32-Jährige der britischen Zeitung „The Guardian“. „Er ist groß und fett, also musste ich gewalttätig sein, um mich gegen ihn zu wehren.“ Danach habe sie „völlig angewidert“ das Hotelzimmer verlassen.

Seydoux, die 2013 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden war, versicherte, dass „alle“ in Hollywood von Weinsteins Verhalten gewusst hätten.

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„Das ist das Widerlichste daran“, sagte sie. „Es ist unglaublich, dass er sich jahrzehntelang so verhalten konnte und trotzdem seine Karriere behielt.“ Aber auch sonst sei es in der Filmbranche „sehr verbreitet“, dass Männer „ihre Positionen missbrauchen“.

Notrufnummer:

Anonymen Rat und Hilfe im Krisenfall bietet unter anderem die
Ö3-Kummernummer: 116 123
Rat auf Draht: 147
Telefonseelsorge: 142

(apa/ Anastasia Lopez)