Nachbar in Not Aktuelle Berichte auf news.ORF.at
Mann mit Kind. (Bild: Talia Frenkel/American Red Cross)

„NACHBAR IN NOT-Erdbeben Haiti“
Sechs Monate nach dem Beben

Das Erdbeben, das Haiti am 12. Jänner 2010 erschütterte, gehört zu den schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte. Rasch haben sich der ORF und die „Nachbar in Not“-Hilfsorganisationen zusammengeschlossen und am 14. Jänner die Aktion „Nachbar in Not-Erdbeben Haiti“ gestartet.


14,5 Millionen Euro wurden gespendet und werden in zahlreichen Hilfsprojekten für die Menschen in Haiti umgesetzt.

Vielfältige Hilfe durch das Netzwerk von „Nachbar in Not“

Nach den ersten sechs Monaten der Aktion „Nachbar in Not-Erdbeben Haiti“ sind zahlreiche Nothilfe-Maßnahmen wie medizinische Versorgung und Hilfsgüter, Lebensmittelpakete, Decken, Küchen- und Hygienesets, abgeschlossen.


Dennoch bleibt noch viel zu tun, um den Menschen vor Ort weiterhin zu helfen und die Nothilfe-Phase wurde in vielen Bereichen auf ein Jahr verlängert. Synchron dazu treten größere und kleinere Wiederaufbauprojekte nun ins Zentrum der „Nachbar in Not“-Hilfe: zahlreiche Projekte werden derzeit nach der jeweiligen Expertise von den „Nachbar in Not“-Organisationen durchgeführt.


Wiederaufbau in Haiti. (Bild: ÖRK)



Folgende Hilfsorganisa-tionen gehören zu "Nachbar in Not": Arbeiter Samariterbund Österreich, CARE, Caritas, Diakonie, Hilfswerk Austria International, Malteser Hospitaldienst, Rotes Kreuz, Volkshilfe.

Netzwerk "Nachbar in Not"

Die Caritas engagiert sich insbesondere im Wiederaufbau sowie für die Wiederaufnahme des Schulbetriebes für traumatisierte Kinder und Waisen. Das Rote Kreuz im Wasser-, Sanitär- und Hygienebereich, die Diakonie versorgt Familien, insbesondere in den Armenvierteln von Jacmel und Bainet. Hilfswerk Austria International hat landwirtschaftliche Nothilfe-Programme rund um Port-áu-Prince und im Norden des Landes gestartet.


Mädchen holt Wasser. (Bild: ICRC/Marko Kokic)

CARE kümmert sich um Baumaterialien und Werkzeuge, mit denen noch bestehende Notunterkünfte besser vor Hurricanes und Regen geschützt werden sollen. Die Malteser, vor allem im Léogane Destrikt, sowie der Arbeiter Samariterbund Österreichs betreiben Projekte mit dem Ziel einer medizinischen Basisversorgung. Die Volkshilfe trägt zur Verbesserung der Unterkunfts- und Hygienebedingungen für Familien im Raum Jacmel und Umgebung bei und unterstützt infrastrukturelle Maßnahmen.


DIE UMSETZUNG:


Phase 1

In der ersten Phase der „Nachbar in Not“-Hilfe für Haiti, in der in erster Linie Nothilfemaßnahmen im Zentrum der Bemühungen standen, wurden rund 4,2 Millionen Euro an Spendengeldern für Projekte eingesetzt.


Phase 2

Im Rahmen der zweiten Phase, gekennzeichnet durch nachhaltige Wiederaufbauprojekte, werden rund 8,2 Millionen Euro der gespendeten Gelder verwendet.


Zukünftige Hilfsmaßnahmen

Für zukünftige Projekte, die voraussichtlich im Herbst von den „Nachbar in Not“-Organisationen durchgeführt werden, verbleiben somit rund 2 Millionen Euro, bei einer momentanen Gesamtspendensumme von 14,5 Millionen Euro.


Auch ein halbes Jahr nach dem Beben brauchen die Menschen in Haiti immer noch Hilfe.

Kind trinkt Wasser. (Bild: Olav A Saltbones/Norwegian Red Cross)

Durch das immense Ausmaß der Katastrophe – und weil die Hauptstadt Port-áu-Prince so massiv betroffen ist –, ist die Nothilfe-Phase immer noch nicht abgeschlossen. Die unter dem Dach von „Nachbar in Not“ tätigen, österreichischen Hilfsorganisa-tionen sind nach wie vor im Krisengebiet und berichten, dass Nothilfe-Maßnahmen – insbesondere im Hygiene- und Trinkwasseraufbereitungsbereich – nach wie vor notwendig sind.


Parallel dazu hat aber auch der Wiederaufbau begonnen und zahlreiche „Nachbar in Not“-Projekte sind, mit Hilfe der Spenden aus Österreich, am Laufen.


Nachhaltige Hilfe

Sissy Mayerhoffer, Leiterin des ORF-Humanitarian Broadcasting: "Ein halbes Jahr nach dem Beben ist zwar die Katastrophe aus dem medialen Fokus der Weltöffentlichkeit verschwunden, aber für die meisten Menschen in Haiti ist Normalität noch sehr weit entfernt. Mein Dank gilt den vielen Einzelspendern und zahlreichen Firmen aus Österreich, die diese Hilfsaktion von ORF und ,Nachbar in Not‘ mit insgesamt 14,5 Millionen Euro Spenden innerhalb weniger Wochen zur zweiterfolgreichsten ,Nachbar in Not‘-Hilfe seit 2003 gemacht haben.


"Das Beben hat hundert-tausende Einzelschicksale mit Verlusten und Verletzungen verursacht. Viele Wunden – die unsichtbaren wie die sichtbaren – werden die Menschen ein Leben lang begleiten. Sie auf dem mühsamen Weg zur Wiedererlangung ihrer Lebensgrundlagen ein Stück weit zu unterstützen, hat ,Nachbar in Not‘ sich zur Aufgabe gemacht."

ORF-Leiterin Humanitarian Broadcasting Sissy Mayerhoffer. (Bild: ORF / Milenko Badzic)

Und mein Dank und Respekt gilt den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ,Nachbar in Not‘-Organisationen, die mit diesem Geld nachhaltige Hilfe für die Menschen in Haiti leisten – auch dann, wenn Kameras und Mikrofone ausgeschaltet sind."


Keine Zeit für eine Atempause

"Insgesamt wurden und werden aus ,Nachbar in Not‘-Spenden in der Nothilfe-Phase über 370.000 Menschen mit Wasser, Nahrungsmitteln, medizinischen Hilfsgütern, Hygiene- und Küchensets, sanitären Anlagen oder auch tempöraren Unterkünften versorgt. Aber gleichzeitig arbeiten wir HiIfsorganisationen auf Hochtouren am Wiederaufbau.", sagt Caritas-Auslandshilfechef und „Nachbar in Not“-Vorstandsvorsitzender Christoph Petrik-Schweifer.


"Zeit für eine Atempause haben wir keine. Viele Menschen in Haiti werden noch mindestens bis Ende des Jahres auf Verteilungen von Hilfsgütern angewiesen sein."

Und weiter: ",Nachbar in Not‘ hat den Bau von über 1.000 Häuser bereits bewilligt, die ersten Unterkünfte werden im Lauf des Frühherbstes fertig gestellt sein.“ Denn: „Die Auflösung der Camps und Umsiedelung der Menschen in andere und sichere Gegenden verläuft langsam, und kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Menschen auch eine Perspektive haben.", weiß Petrik-Schweifer.


Christph Petrik-Schweifer und Michael Opriesnig bei der Koordination der Hilfslieferungen. (Bild:ÖRK/DokuTeamNö)


Blühendes Dorfleben statt Ruinen und Schuttbergen

"Gut sechs Monate nach dem verheerenden Erdbeben leben noch immer rund 1,5 Millionen Erdbebenopfer in Camps.", sagt „Nachbar in Not“-Vorstand Michael Opriesnig. Dass in den dicht gedrängten Zeltstädten bisher keine Seuchen ausgebrochen sind, ist ein großer Erfolg für die Helfer. Allein das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) hat mit Mitteln aus „Nachbar in Not“ im vergangenen halben Jahr gut 50.000 Menschen in mehr als 50 Camps mit Hygiene-Programmen erreicht.


"In den nächsten drei Jahren soll aus Ruinen und Schuttbergen wieder blühendes Dorfleben entstehen. Dazu wird die Instandsetzung der Wasserversorgung ebenso beitragen wie der Wiederaufbau von Häusern, Erste Hilfe-Stationen und Gemeinschaftseinrichtungen."

"Ziel der Rotkreuz-Arbeit ist es nun, die Camps zu verkleinern und den Menschen Übergangs-unterkünfte zur Verfügung zu stellen. Das weitere Hilfsprogramm des ÖRK konzentriert sich daher auf den Wiederaufbau von vier Dörfern rund um die schwer beschädigte Stadt Léogâne, südlich der Hauptstadt. ,Nachbar in Not‘ finanziert den Bau von 3.000 dieser Übergangsunterkünfte.", so Opriesnig.


Den Menschen eine Perspektive geben

Dagmar Lassmann, Leiterin der Diakonie-Auslandshilfe und ebenfalls im „Nachbar im Not“-Vorstand, betont: "In der nun angelaufenen Phase des Wiederaufbaus ist es besonders wichtig, die betroffenen Menschen in die Maßnahmen mit einzubinden, um ihnen nicht nur eine Arbeit, sondern auch eine Aufgabe und Perspektive zu geben. So verschaffen etwa die ,Food for Work‘-Programme der ,Nachbar in Not‘-Organisationen den Menschen Einkommen und vermitteln Wissen über katastrophensicheres Bauen. Die ,Nachbar in Not‘-Spenden aus Österreich sind dabei auch ein wichtiger Baustein für den Wiederaufbau."


Die Stiftung Projektdatenbank Kontakt