„Böse Zwillinge“ beim Schwammerlsuchen

Schwammerlsucher kommen jetzt voll auf ihre Kosten. Dank des feuchten Frühlings gedeihen alle Sorten prächtig. Leider nicht nur die Speisepilze: Bei der Suche nach Eierschwammerln, Steinpilzen und Champignons stößt man oft auf deren ungenießbare Doppelgänger.

Eierschwammerl vs. „Falscher Pfifferling“

„Ö3-Supersamstag“ mit Thomas Kamenar, 30. August 2014

Einer der beliebtesten Pilze hat einen Zwilling, der sogar nach ihm benannt ist: Das falsche Eierschwammerl (wird meistens als „falscher Pfifferling“ bezeichnet.) Dieses hat die gleiche Größe und Farbe wie das Original. Erkennen kann man es an den Lamellen auf der Unterseite. „Das richtige Eierschwammerl verzweigt sich, der Fachmann spricht von sogenannten ‚Leisten‘“, erklärt Pilzexperte Alexander Hengl vom Wiener Marktamt. Ein Fehlgriff ist in diesem Fall aber keine Tragödie, das falsche Eierschwammerl ist nicht giftig, sondern schmeckt einfach nach nichts.

Schwammerl

EXPA /Science Photo Library / picturedesk.com/Montage

Links: Eierschwammerl, rechts: falsches Eierschwammerl

Steinpilz vs. Gallenröhrling

Deutlich unangenehmer ist es, diesem Zwilling auf den Leim zu gehen. Der Gallenröhrling schmeckt gallig-bitter und kann, wenn er mitgekocht wird, ein ganzes Gericht ungenießbar machen. Mit dem Steinpilz gemein hat er die Oberfläche und das Netz am Stiel, allerdings sind die Röhren auf der Unterseite nicht gelblich-grünlich, wie beim schmackhaften Original, sondern rosa. Hengl verrät einen einfachen Tipp, um das Original vom Zwilling zu unterscheiden: „Im Zweifelsfall spricht nichts dagegen, den Gallenröhrling zu kosten.“

Steinpilz & Gallenröhrling

Marktamt Wien / Mars 2002 Wikimedia/Montage

Links: Steinpilz, rechts: Gallenröhrling

Champignons vs. Weißer Knollenblätterpilz

Die Verwechslung dieser beiden Sorten kann tödlich enden. Deshalb Vorsicht: „Die Lamellen eines Champignons sind nie weiß, sondern rosa oder bräunlich“, so Hengl. Der Verzehr eines Knollenblätterpilzes führt auf jeden Fall ins Krankenhaus und ist laut Rotem Kreuz verantwortlich für ca. 90 Prozent der tödlichen Pilzvergiftungen.

Montage Champignon & Knollenblätterpilz

Marktamt Wien / Ericsteinert Wikipedia/Montage

Links: Champignon, rechts: weißer Knollenblätterpilz

Kontrolle ist besser

Die gesammelten Schwammerl sollen also immer mehrfach überprüft werden, bevor man sie isst. Pilzauskunftstellen in ganz Österreich hat die Österreichische Mykologische Gesellschaft gesammelt.
Das Marktamt Wien bietet jeden Montag von 7:30 bis 15:30 kostenlose Pilzbegutachtungen an. Die 10 Minuten Zeitaufwand sind es auf jeden Fall wert – im schlimmsten Fall werden die Doppelgänger weggeworfen, im besten Fall wird bestätigt, dass man bereits Pilzexperte ist.