Die EU will Plastikgabeln und Wattestäbchen abschaffen

Die EU will Wegwerfprodukte wie Plastikgabeln und Wattestäbchen aus dem Verkehr ziehen. Konkret sollen laut der heute vorgeschlagenen Richtlinie zehn Einwegprodukte, die 70 Prozent aller Abfälle im Meer verursachen, verboten werden.

Der Handelsverband sieht den Entwurf grundsätzlich positiv, der EU-Wunsch nach einer Plastik-Steuer kommt in der Wirtschaft hingegen nicht gut an. „Angesichts wachsender Müllberge ist es ein Gebot der Stunde, nicht abbaubare Kunststoffprodukte und -verpackungen zu reduzieren“, so der Handelsverband am Montag. Für die verbotenen Produkte müsse es aber umweltfreundliche und günstige Alternativen geben. Die Unternehmen bräuchten zudem Planungssicherheit und es dürften keine internationalen Wettbewerbsnachteile entstehen.

Wattestäbchen

Roman Märzinger / ChromOrange / picturedesk.com

Es braucht nachhaltige Alternativen

„Wir müssen nach sinnvollen, nachhaltigen Lösungen suchen“, meinte auch Rewe-Sprecher Paul Pöttschacher zur APA. Hier sei insbesondere die Verpackungsindustrie gefordert. Er wies aber auch darauf hin, dass Plastikverpackungen ein Hygienefaktor und oft unvermeidbar seien.

Weiterhin wünschenswert ist für EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger auch eine Plastik-Steuer. Diese sieht einen Beitrag von 80 Cent pro Kilogramm unrecyceltem Plastikmüll vor. Das Umweltministerium lehnt dieses Vorhaben ab, auch Handelssparten-Vizegeschäftsführer Roman Seeliger von der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hält davon nichts. „Wir sind gegen diese 80 Cent“, so Seeliger. Das Plastik in den Meeren stamme nicht aus Österreich, sondern aus Ländern, in denen es kein Deponieverbot gibt und die Müllentsorgung nicht funktioniert, betonte er.

Plastikgabel

Reinhold Tscherwit / ChromOrange / picturedesk.com

„Eine Kunststoffabgabe würde die europäische Kunststoffindustrie schwächen und die Wettbewerbsposition gerade der größten Verschmutzer stärken“, meinte auch der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO). „Eine Abgabe auf nicht recycelte Kunststoffabfälle, wie sie derzeit im Raum steht, sehen wir als reine Geldbeschaffungsmaßnahme, um das Budgetloch nach dem Brexit zu stopfen“, so Helmut Schwarzl, Obmann der Berufsgruppe Kunststoffindustrie.

Die vorgelegte Richtlinie ist zunächst nur ein Vorschlag. Dieser muss nun mit den EU-Staaten und dem EU-Parlament verhandelt werden. Die Verabschiedung und Umsetzung dürften Jahre dauern.

(APA/JP)