Frag das ganze Land Spezial mit Gabi Hiller und Philipp Hansa

Hitradio Ö3 / Martin Krachler

Beißkorb für alle? Das war die große Ö3-Diskussion

Der einjährige Waris wird von einem Rottweiler in Wien auf offener Straße attackiert. Wenige Tage später die traurige Nachricht: Der Bub überlebt die Attacke nicht. Also: Zeit für einen Beißkorb für alle Hunde?!

‚Maulkorb hätte Waris das Leben retten können‘

Die Wogen gehen hoch auf Ö3: Ernst Kurt Weigel, sein Vater und sein Sohn sind bereits von einem Hund gebissen worden. Zwar ist er, wie er sagt, auch mit Hunden aufgewachsen, aber: „Ein Maulkorb hätte einen Biss [beim kleinen Waris (1), Anm.] verhindern können“.

Katja Wolf vom österreichischen Hundedachverband schüttelt im Ö3-Studio den Kopf und kontert: "Wenn sich ein Hund mit 50 Kilo Eigengewicht auf einen Einjährigen stürzt, hätte auch ein Maulkorb nichts retten können.

Anna Reifberger ist die Mama jener kleinen Amelie, die 2011, vor sieben Jahren vom Nachbarshund fast zu Tode gebissen worden ist. Auf Ö3 teilt und erzählt sie in ‚Frag das ganze Land - Spezial‘ ihre Geschichte: "Hätte der Hund nur wenige Zentimeter woanders hingebissen, wäre in der gleichen Lage [wie beim kleinen Waris (1), Anm.] gewesen. Der Hund wollte nicht nur spielen“, und sie fordert auf Ö3, dass nicht jede oder jeder sich einfach jeden Hund nehmen kann: „Man müsste das strenger exekutieren.“

Auch Kabarettist Gerry Seidl diskutierte auf Ö3 mit - und stellt sich vehement gegen ‚Schnellschüsse‘ bei einer eventuellen generellen Maulkorbpflicht: „Wir werden den Hausverstand, der uns immer mehr abhanden kommt, nicht einfach in einen Gesetzestext packen können, dass wir friedlich miteinander auskommmen. Jetzt jedem Hund einen Maulkorb umzuhängen, wenns dann nicht exekutiert wird, halte ich für falsch. Passen wir einfach alle aufeinander auf.“

Auch der plastische Chirurg Dr. Heinrich Schubert hat sich am größten Diskussionstisch Österreichs, bei Ö3, zu Wort gemeldet. Er hat schon dutzende Bissopfer behandelt und erzählt, dass alleine ins Uni-Klinikum in Salzburg etwa ‚zwei bis drei ernstere Hundebisse pro Woche‘ kommen.
Für ihn gibt es nur eine Lösung: Ich würde mir eine uneingeschränkte Beißkorbpflicht für alle Hunde wünschen. Weil einfach jeder Hund unberechenbar bleibt, auch wenn er noch so gutmütig ist."
Viele Familien und Kinder seien ein Leben lang damit konfrontiert, dass ein Hund einfach nicht unter Kontrolle war, sagt der Mediziner: „Da reichen fünf Minuten - und ein Leben ist geprägt von Leid und Entstellung.“

Die gesamte Sendung zum Nachhören:

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So lief die große Ö3-Diskussion

Neben dir diskutieren zum Thema auch noch zwei Gäste im Ö3-Studio bei Gabi Hiller und Philipp Hansa:

  • Ernst Kurt Weigel, Schauspieler und Hundebiss-Opfer: „Ich bin mit Hunden aufgewachsen, aber Hunde brauchen draußen Maulkorb - was sollte da dran falsch sein?!“
  • Dr. Katja Wolf vom Österreichischen Hundedachverband: „Beißkorb für alle ist ein kompletter Blödsinn“
Studiogäste FDL Spezial

Ö3

Erste Reaktionen

In Wien reagiert die Stadtverwaltung nun auf den Fall des kleinen Waris (1), wie Dienstagmittag bekannt geworden ist, berichtet das Ö3-Mittagsjournal:

Insgesamt werden in Österreich etwa 600.000 Hunde gehalten, das entspricht in etwa doppelt so vielen Menschen, wie im ganzen Burgenland oder in Graz leben

Lies hier mehr zum Thema

Hundebisse sind in Österreich nichts Seltenes: „Hund biss Frau in Kufstein Oberlippe teilweise ab“, „Hund in Urfahr-Umgebung beißt Mädchen in Oberschenkel und Gesicht“ und „Bisswunden am ganzen Körper - Neunjähriger wird in Amstetten beim Spielen von vier Hunden gebissen“ waren Schlagzeilen, die heuer schon in den Medien waren. Zeit also für einen Beißkorb für alle?

Raman C., der Vater von Waris im ORF-Interview:

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Im „Ö3-Wecker“ hat eine Mutter von der Bissattacke auf ihre Tochter erzählt:

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Verantwortung nicht nur beim Hundehalter? Eine Meinung:

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Hundebissopher Julie

Privat

Julie, 24, ist 2016 von einem Hund gebissen worden: „Ich hatte Glück, dass er mir nicht das Auge rausgebissen hat. Heute ist zwar alle gut verheilt, aber ich bin ‚gezeichnet‘ fürs Leben. Ich bin für die Maulkorbpflicht für alle!“

Facts first

So oft beißen unsere Vierbeiner zu - das sagen die Hundebiss-Fakten:

Facts

Hitradio Ö3

3600 Mal pro Jahr greifen Hunde Menschen so sehr an, dass sie ins Krankenhaus müssen. Das sagt die Statistik vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (2017).

„Das ist unser tägliches Brot, wir haben hier in Salzburg mindestens drei Hundeattacken pro Woche“, sagt der plastische Chirurg Dr. Heinrich Schubert. Er hat schon etliche Opfer von Hundebissen mitansehen müssen, und die Wunden so gut es geht, behandelt.

Fact

Hitradio Ö3

Und zwar nicht nur als Soll, sondern als Pflicht - für ALLE Hunde, fordert sogar der Sprecher des österreichischen Rottweilerklubs, Georg Sticher, im Ö3-Frühjournal:

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Als „stark frequentiert“ versteht Sticher, der auch seit 35 Jahre Hunde trainiert, etwa „Parks, Einkaufszentren, Schule und Kindergärten“.

Facts

Hitradio Ö3

Die Hälfte zwischen 25 und 64 Jahre, 22 Prozent sind älter als 65 Jahre. (Quelle: Kuratorium für Verkehrssicherheit)

Aber: Was meinst du?

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Das sind die Regelungen für Leine und Maulkorb

Das ist in Österreich relativ unübersichtlich und unterscheidet sich von Gemeinde zu Gemeinde. Es gibt aber einige Regelungen, die vom jeweiligen Bundesland vorgegeben werden. Hier zwei Beispiele:

  • Bei einer „größeren Menschenansammlung“, wie etwa einem Kirtag muss der gleiche Hund in Oberösterreich Leine und Maulkorb tragen - in Tirol oder Vorarlberg von Landesseite her: gar nichts.
  • Beim Spaziergang im „öffentlichen Raum“ unterwegs, und da sind die Regeln im Westen besonders lasch: In Tirol, Vorarlberg und Salzburg: gibt es keine besonderen Vorschriften. Also, wenn die Gemeinde da nichts extra beschließt, kannst du mit deinem Hund auch ohne Leine oder Maulkorb unterwegs sein. Anders im Burgenland: Hier muss der Hund an die Leine. In Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark kannst du an öffentlichen Orten zwischen Leine ODER Maulkorb entscheiden. In Kärnten reicht es, die Leine oder einen Maulkorb nur mitzuhaben.

Also sehr unterschiedlich, die Regelungen. Hier die Links zu den Hundehaltebestimmungen in deinem Bundesland:

So funktioniert der ‚Hundeführschein‘ bislang

Hundeführscheine betreffen sogenannte Kampfhunde. Welcher Hund als „Kampfhund“ gilt, ist von Bundesland zu Bundesland wieder unterschiedlich. Das Ziel ist es jedenfalls durch den Hundeführschein, das Zusammenleben von Mensch und Tier konfliktfrei zu gestalten.

  • Einen Hundeführschein zu haben, das ist bislang überhaupt nur in Wien und Niederösterreich Pflicht.
  • In der Steiermark und Oberösterreich muss der Hund vorher zur Prüfung beim Tierarzt.
  • In Salzburg muss jede Hundehalterin, jeder Hundehalter einen theoretischen Test absolvieren, aber keinen praktischen. Nur sogenannte „gefährliche Hunde“ müssen bewilligt werden. Das sind Hunde, bei denen die Gemeinde einen schriftlichen Hinweis erhalten hat, dass ein Hund Menschen oder Tiere gebissen hat, oder sonst eine übermäßige Kampfbereitschaft, Angriffslust oder Schärfe gezeigt hat.
  • In Vorarlberg ist die Haltung von Kampfhunden prinzipiell bewilligungspflichtig.
  • Im Burgenland, Kärnten und Tirol braucht man keinen Hundeführschein.

(Quelle: Verein für Konsumentenschutz, help.gv.at)

Frag das ganze Land - Spezial

In einem „Frag das ganze Land - Spezial“ bringen Gabi Hiller und Philipp Hansa dieses emotionale Thema auf den größten Diskussionstisch des Landes.

Betroffene, Experten, ganz Österreich und DU diskutieren gemeinsam am Mittwoch, den 03. Oktober von 12 bis 14 Uhr, auf Ö3.

Du hast was zu sagen ?!

Jede und jeder kann mitreden!

„Frag das Ganze Land - Spezial“ mit Gabi Hiller und Philipp Hansa, 3. Oktober 2018 (Martin Krachler)