Screenshot aus dem Musikvideo zu "Nummer 1" von Capital Bra & Samra

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Es rockt, es rappt, es REICHT!

Elke Rock moderiert Woche für Woche die Ö3-Austria Top40. In ihrem Charts-Blog kommentiert sie die aktuelle Wertung.

Freitag für Freitag wundere ich mich über die vielen Gangsta-Deutschrap-Songs, die in der offiziellen Verkaufswertung der Austria TOP40 landen. Und damit gleich vorweg eines klar gestellt: Nicht ICH such diese Songs aus, sondern sie werden geklickt, geliked, gestreamt... millionenfach von vorwiegend Jugendlichen, die ihre Rapstars und deren Musik verehren.

Das vor allem akustische Abfeiern von materiellem Besitz, Frauenfeindlichkeit und Gewalt im Gangsta-Rap ist Manifestation einer allgemeinen Rebellion gegen die Werte der Mittelklasse, die etablierte Gesellschaft und politische Korrektheit. Spiegel und Sprachrohr einer Gesellschaft, die sonst selten Gehör findet - so die allgemeine Annahme zur Erklärung dieses Phänomens.

Screenshot aus dem Musikvideo zu "Nummer 1" von Capital Bra & Samra

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Screenshot aus dem Musikvideo zu „Nummer 1“ von Capital Bra & Samra.

Wo liegt die Grenze?

Mal abgesehen davon, dass Musik grundsätzlich niemals alle Geschmäcker treffen kann, ist meine persönliche Schmerzgrenze erreicht. Denn ich frage mich: Wo verläuft die Grenze zwischen der Kunst und ihrer Freiheit?
Darf Gangsta-Rap beleidigen, Gefühle verletzen, rassistische Stereotype reproduzieren, ohne jedwede Einschränkung und unter dem Deckmantel der künstlerischen Freiheit?

Natürlich wandeln wir hier auf einem schmalen Grat zwischen Inszenierung und Authentizitätsanspruch auf der einen Seite und Gewalt- und Drogenverherrlichung auf der anderen. Gangsta-Rapper sehen sich als Kunstfiguren, und das Gehabe gehört nun mal zum Image. Also, wo liegt nun die Grenze?!

Ab heute weht ein anderer Wind

Ich sehe die Grenze dort, wo Männer in Designer-Trainingsanzügen Frauen auf ihre Körbchengröße reduzieren, als Bitches und Schlampen bezeichnen und diese zwischen viel Bling Bling und teuren Autos als nettes, wenig bekleidetes Accessoire vorführen. Wenn Drogen und Alkohol als ganz Alltägliches propagiert werden und den Stempel „cool“ verpasst bekommen, dann ist meine persönliche Grenze erreicht. Umso mehr freuen mich die Ausnahmen des Genres, die sich dieser artikulierten Menschenverachtung nicht bedienen.

Allen anderen möchte ich in meiner Sendung keine Plattform bieten, um dort blind frauenfeindliche, homophobe oder rassistische Inhalte abzufeuern.
Punkt.

Ab heute weht also ein anderer Wind in meiner Show! Und ich freue mich schon auf viele tolle Frauen, die mithören und lebensbejahende Songs, die vor guter Laune nur so strotzen. Ich freue mich auf SIE. Und in einer Sache lasse ich mich inspirieren von den vielen deutschen Gangsta-Rappern, die durch unsere Musiklandschaft ziehen: Ich nehme mir sicher kein Blatt mehr vor den Mund.

Wir hören uns heute Abend um 19 Uhr!

Eure Elke ROCK Rap


Elke Rock

Roman Pfeiffer/Hitradio Ö3

Elke Rock

Elkes Charts-Blog

Elke Rock ist unsere „Queen of Charts“ und präsentiert wöchentlich die aktuelle Wertung der Ö3-Austria Top40. In ihrem Charts-Blog kommentiert sie regelmäßig, was sich in der offiziellen Verkaufshitparade Österreichs so tut. Dabei nimmt sie sich kein Blatt vor den Mund und spricht ganz offen an, was ihr auffällt oder auch mal sauer aufstößt.

Zur Person: Elke Rocks Moderatorenseite

Ö3-Austria Top40

Die Songs auf die Österreich steht.

Die Songs die Österreich kauft. Die Hits im Countdown.
Österreichs offizielle Verkaufscharts von der 40 bis zur 1 starten um 19.00 Uhr und werden jeden Freitag präsentiert.

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