Werner Kogler beim Frühstück mit Claudia Stöckl

Hitradio Ö3/ Martin Krachler

Werner Kogler in „Frühstück bei mir“

Er ist grünes Urgestein und möchte nach der Wahlniederlage der Grünen im Oktober 2017 jetzt deren Wiedereinzug ins Parlament schaffen. Werner Kogler, Spitzenkandidat der „Grünen“, war am Sonntag, den 27. Juli, der Gast im sechsten und letzten „Ö3-Sommergespräch“ in „Frühstück bei mir“.

Zum Ö3-Sommergespräch hat Werner Kogler in ein Ausflugslokal am Rande der Stopfenreuther Au geladen, wo er 1984 federführend bei der Au-Besetzung mitgewirkt hatte: „Meine Aufgabe war es in der Nacht mit den Bussen Leute herunterzubringen, durch das Sperrgebiet und sie an den Wachposten vorbei durchzuschleusen. Da war ich halt ein Schlepper, super.“

„Ich lasse mir gerne nachsagen, dass wir diese Welle reiten“

Über das derzeitige Umfragehoch (die Grünen liegen bei 12% in der Sonntagsfrage, Quelle: profil) meint der Grün-Politiker: „Ja, es freut ich sehr, jetzt müssen halt alle am Boden bleiben, ich auch.“ Auch Peter Pilz‘ Bemerkung im Ö3- Sommergespräch am vergangenen Sonntag, dass die Grünen sich „bei der Greta Thunberg bedanken muss. Das ist jetzt eine Welle auf denen die Grüne Partei surft.“ kommentiert der Steirer heute auf Ö3: „Diese Welle gibt es, die hilft uns, ja. Aber man muss halt auch eine Welle reiten können. Ich lass mir ja gern nachsagen, dass wir die diese Welle reiten, wenn andere woanders untergehen wollen ist es ja ihr eigenes Problem. Ich hab da überhaupt keine Steine nachzuwerfen.“ Trotzdem sieht Kogler eine Zusammenarbeit mit Peter Pilz möglich, sollte die Liste JETZT nicht ins Parlament kommen: „Ich schließe nicht aus, da oder dort gemeinsam etwas zu machen. Es geht ja nicht immer nur um Mandate, sondern auch um andere politische Projekte vielleicht.“

Klimaschutz

In Sachen Klimaschutz sieht Kogler nicht den Weg der Verbote, sondern zuerst einmal die Steuerung durch den Preis: „Ich verlange als ersten Schritt einmal, nicht dass Inlandsflüge verboten werden, sondern dass das Liter Kerosin besteuert wird, gleich wie das Benzin für den Autofahrer. Die Gaunerei ist wie bei all diesen Umweltfragen, dass die, die sich umweltbewusst verhalten, mehr zahlen als die anderen. Auch das Zugfahren muss billiger werden als das Fliegen.“ Als persönliche Öko-Sünde nennt der Bundessprecher der Grünen ebenfalls, dass er aus Zeitgründen ab und an das Flugzeug nimmt. Ansonsten würde er höchst umweltbewusst leben. „Ich schmeiße nicht einmal ein T-Shirt weg, selbst wenn es irgendwo ein Loch hat, dann ziehe ich es halt zuhause an oder als Unterhemd - selbst für Grüne agiere ich umweltmäßig am Rande des Verdachts zum Skurrilen.“

Motorradunfall ohne Helm

Persönlich verriet der 57jährige auf Ö3, welches Erlebnis dem Kampfgeist zugrunde liegt, den er für die Rettung der Grünen derzeit braucht. Es war ein schwerer Motorradunfall vor 36 Jahren.: „Ich war Beifahrer, ohne Helm, Flugluftbahn 13 Meter, wir sind am Asphalt radiert. Es war nicht klar, ob ich überlebe. Auch am Gesicht war ich wiederherzustellen, die Oberlippe war so weit weg, dass Teile davon von der Nase gezogen werden musste. An manchen Tagen, wenn ich besonders wenig schlafe, sieht man Narben noch, die sind quer über das Gesicht verteilt. Da habe ich kämpfen gelernt!“

Auch die Liebe ist grün

Auch über seine private Koalition sprach Kogler auf Ö3, seit neun Jahren ist er mit Sabine Jungwirth, Bundessprecherin der Grünen Wirtschaft liiert ist. Dass ihre 20jährige Tochter Miriam das Down-Syndrom hat, nennt er prägend:“ Menschen mit Down-Syndrom haben eine gewissen Offenheit, Unbekümmertheit, eine Grundehrlichkeit, das vermisst man ja manchmal vielleicht bei anderen. Für mich ist das eine Bereicherung.“

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Nachhören

„Frühstück bei mir“ mit Claudia Stöckl – das große Interview der Woche, Persönlichkeiten ganz persönlich – jeden Sonntag von 9.00 bis 11.00 Uhr im Hitradio Ö3.

Das gesamte Gespräch gibt es auch zum nachhören im „Frühstück bei mir“-Podcast.

„Frühstück bei mir“ mit Claudia Stöckl, 28. Juli 2019