Sensationsfund bei Grabungen für die A5-Verlängerung

Bereits zum zweiten Mal wurde bei archäologischen Grabungen in einer ASFINAG-Baustelle im nördlichen Weinviertel eine sensationelle Entdeckung gemacht. Gefunden wurde eine altsteinzeitliche Anlage, die zurzeit als sogenannte „Kill Site“ gesehen wird. Solche Plätze wurden von den Steinzeitmenschen genutzt, um ihre Jagdbeute zu töten und zu zerlegen.

Intensive weitere Auswertungen der Funde zur endgültigen Bestimmung und damit genauen Interpretation erfolgen nach der Bergung aller Knochen, Mammut-Stoßzähne und Werkezuge. Gefunden wurde diese Stätte östlich der B7, der Brünner Straße, am Beginn der Umfahrung Drasenhofen. „Derartige Fundstellen geben einen interessanten Einblick in die Vergangenheit“, sagt DI Andreas Fromm, Geschäftsführer der ASFINAG Bau Management GmbH, „für uns ist wichtig, dass solche Zeugnisse der menschlichen Kultur erhalten bleiben.“

Archäologische Ausgrabungen

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Erfreut zeigt sich auch Mag. Dr. Martin Krenn des Bundesdenkmalamtes: „Diese paläolithische ‚Kill Site‘ ist die erste in Österreich, die nach modernsten Methoden ausgegraben und analysiert wurde. Sie gibt uns einen sensationellen Blick auf die Lebensweise der altsteinzeitlichen Menschen.“ Die oberste Kulturschicht, in der sich die Knochen der zerlegten Mammuts befinden, wurde von dem Archäologen-Team auf ein Alter zwischen 28.000 und 18.000 Jahren datiert. „Die Paläofundstelle Tännau ist in ihrer Gesamtheit ein Novum für Österreich - mit einem hohen wissenschaftlichen Potential“, so der Experte Mag. Dr. Krenn. 2,4 Millionen Euro investiert die ASFINAG in die archäologischen Grabungen vor dem Neubau der Umfahrung Drasenhofen.

Grabungen altsteinzeitliche Anlage

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Grabungen altsteinzeitliche Anlage

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Die steinzeitliche „Kill Site“ erstreckt sich zurzeit auf ein Areal von rund 16 Quadratmetern. Aufschluss auf die damalige Nutzung des Geländes geben die Entdeckung von Mammut-Stoßzähnen und Mammut-Langknochen. Aber auch die Knochenreste weiterer Tiere sowie Funde zahlreicher Werkzeuge bestätigen die Hypothese der Jagbeute-Zerlegestelle menschlicher Vorfahren. Bis dato wurden in Österreich nur zwei derartige Stellen entdeckt. Eine davon (in Grub-Kranawetberg, NÖ) gilt in ihrer Zuweisung als unsicher. Die zweite (in Kammern-Grubgraben, NÖ) ist aufgrund ihrer Ausdehnung und des Alters ihrer Entdeckung (1985) nicht eindeutig definiert.

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Das nördliche Weinviertel erzählt Geschichte

Eine weitere sehr interessante Fundstelle liegt im Bereich des zukünftigen Kreisverkehrs Süd der Umfahrung. Die dort gefundenen Gräber werden von den Archäologinnen und Archäologen den Glockenbechermenschen zugeordnet. Diese Menschen erhielten ihren Namen von Gefäßen, die aussehen wie eine umgedrehte Glocke. Zeitlich steht diese Kulturerscheinung am Umbruch zwischen dem vorausgehenden Neolithikum und der folgenden Bronzezeit, was in Jahreszahlen den Zeitraum von ca. 2.600 bis 2.200 vor Christus bedeutet.
Auch Zeugnisse aus der Bronzezeit (2.300 bis 800 vor Christus) sind im nördlichen Weinviertel stark vertreten. Neben einem Friedhof sind auch die Reste einer Siedlung freigelegt. Diese wird in die frühe Bronzezeit eingereiht (2.300 bis 1.800 vor Christus) und zeigt einen Zusammenhang mit den dort durchgeführten Bestattungen. Neben zahlreichen Speichergruben brachten die Grabungsexpertinnen und -experten auch mehrere Hausgrundrisse zu Tage. Einen der wichtigsten Funde stellt ein Großbau der damaligen Menschen mit einer Abmessung von 20 mal sechs Meter dar. Die bisherigen bronzezeitlichen Befunde legen die Vermutung nahe, dass diese Siedlung bereits am Beginn dieser Epoche ent- oder bestand und möglicherweise in das entstehende Handelsnetz, welches bis in den Nahen Osten und nach Skandinavien reichte, eingebunden war.

Die geschichtlichen Erkundungen entlang der geplanten A5-Strecke sind bereits im Finale. Das gesamte Grabungsareal umfasst insgesamt 13 Hektar und liegt laut den Archäologen in einem sehr alten Siedlungsgebiet.

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Archäologische Grabungen sind Eckpfeiler des Autobahn-Neubaus

Die Bereiche Archäologie und Kulturgüter werden im UVP berücksichtigt. Archäologische Untersuchungen im Vorfeld zu Autobahn-Neubauten gehören daher zum ASFINAG-Standard und bringen einen zentralen Vorteil: die Entdeckung geschichtlich interessanter Stätten in Gebieten, die ohne geplanter Straßen-Infrastruktur nicht erkundet worden wären. Die frühzeitige Erkennung, Freilegung und Sicherung der Fundstücke garantiert letztlich auch einen raschen Baufortschritt. Unterbrechungen wegen archäologischer Funde werden so ausgeschlossen, denn gegraben wird genau dort, wo die zukünftigen Autobahnen oder Schnellstraßen verlaufen. Besonders interessante Stücke stellt das Bundesdenkmalamt entweder für Schwerpunkt-Ausstellungen oder Spezial-Museen.

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Die A5-Umfahrung Drasenhofen

Die weiteren fünf Kilometer im nördlichen Weinviertel stellen die Verlängerung der A5, der Nord/Weinviertel-Autobahn, dar und sind die Fortsetzung für mehr Sicherheit und weniger Durchzugsverkehr auf der B7, der Brünner Straße. Im Herbst 2019 gibt die ASFINAG die Umfahrung Drasenhofen für den Verkehr frei.

(Quelle: ASFINAG)