Brexit

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Brexit: Was ändert sich für mich persönlich?

Seit Monaten ist der Brexit das beherrschende politische Thema auf europäischer Ebene. Viel wird über die Auswirkungen geredet, wenig darüber, was es für uns ganz persönlich im Alltag heißt.

Wir haben mit dem Innsbrucker Politikwissenschaftler Andreas Maurer darüber gesprochen, was sich für uns als DurschnittsbürgerIn verändert. Die Top 3 der positiven und negativen Auswirkungen.

Der Beitrag aus dem Ö3-Wecker zum Nachhören:

Positive Auswirkungen:

  • Keine Veränderung im Alltag
    Im Alltag wird der Brexit für uns keine Auswirkungen haben, sagt der Politikwissenschaftler. Wir werden es nicht merken. Wir dürften nicht vergessen, dass sich Großbritannien bereits seit Jahrzehnten langsam sozusagen aus der EU verabschiedet hat, immer mehr Sonderbestimmungen und Ausnahmen eingefordert und auch bekommen hat. Insofern wird sich jetzt nicht Großes ändern.
  • England wird billiger
    Das Pfund hat in Folge der Verhandlungen und Angst großer Unternehmen bereits abgewertet. Dadurch ist etwa der Kurztrip nach London für uns bereits günstiger. Viele große Unternehmen ziehen sich von der Insel zurück auf den Kontinent, einfach um im europäischen Markt mit den einheitlichen Richtlinien zu sein, Rechtssicherheit zu haben. Das hat durchaus Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, so der Experte. Am Beispiel Magna in Graz sieht man, dass der Jaguar I-Pace jetzt hier produziert wird, weil das Unternehmen Rechtssicherheit hat.
  • Keine Angst vor Mehrkosten
    Dadurch, dass es jetzt ein EU-Mitglied weniger gibt, müssen die verbliebenen Staaten mehr Geld in die Hand nehmen um das System aufrecht zu erhalten. Die Kosten dafür seien aber überschaubar. Pro Jahr rechnet Maurer damit, dass das jeden von uns maximal 1 Euro kosten wird.

Negative Auswirkungen:

  • Weniger Touristen
    Wenn das Pfund abgewertet wird, wird England für uns billiger. Gleichzeitig wird aber Europa und auch Österreich für EngländerInnen teurer. Das könnte sich etwa auf den Tourismus auswirken. Das wird vor allem die Mittelschicht in Großbritannien treffen, die sich immer öfter überlegen muss, ob der damit teurere Skiurlaub in Österreich noch drinnen ist. In Tirol kommen etwa 3,3 Prozent der Gäste aus Großbritannien.
  • Probleme mit dem Auslandsstudium
    Wenig Erfreulich ist der Brexit für Studenten, die etwa im Rahmen des Erasmus- oder Leonardo-Bildungsprogramm zum Austausch oder zur Ausbildung nach England wollen. Es gibt die Tendenz, dass sich britische Universitäten eher abschotten, so Andreas Maurer. Erasmus wird wohl nur mehr für ein halbes Jahr möglich sein, alle 6 Monate wird dann entschieden, ob das Programm verlängert wird.
  • Ehemalige Arbeitskräfte in GB
    Schmerzhaft kann es für alle werden, die ein paar Jahre in England gearbeitet, dort sozusagen Rentenpunkte erarbeitet haben und diese hier in Österreich in die Pensionskassa fließen lassen wollen. Hier kann man noch nicht davon ausgehen, dass das nach dem Brexit einfach verrechnet wird. Diese Menschen unterliegen dem Risiko, dass ein Teil der Rentenbeiträge, die sie damals in England in die EU einbezahlt haben, unsicher ist und möglicherweise sogar verloren geht.

„Ö3-Wecker“ mit Robert Kratky, 29. November 2018 (WB)