Teenager / Mann mit Handy

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Top-Speed aus der Werbung am Handy: meist Mangelware

Wenn das mobile Internet nicht so schnell tut, wie es soll, oder zumindest so schnell, wie du dafür zahlst, ist das ultra-nervig! Eine neue Studie hat jetzt herausgefunden: Die wenigsten haben wirklich den hohen mobilen Internet-Speed, den die Betreiber in der Werbung versprechen.

Epicenter.works, eine Organisation, die für digitale Rechte eintritt, hat recherchiert, wie es mit der Netzneutralität in Europa ausschaut. Gemeinsam mit Tests von Konsumentenschützern der Arbeiterkammer hat sie nun ihre Studie präsentiert:

Eines der Ergebnisse: Der Top-Speed aus der Werbung ist nicht gleich der durchschnittliche Speed beim Surfen auf deinem Handy. Dies führe gerade in Österreich zu der unbefriedigenden Situation, da unklar ist, wie schnell das Internet nun wirklich ist, das man gekauft hat, so Thomas Lohninger, Geschäftsführer von „epicenter.works“.

Johannes Gungl, Geschäftsführer der Telekommunikationsbehörde, RTR meint im Ö3-Interview mit Ö3-Reporter Martin Krachler:

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Mobiler Speed in der Werbung vs. in der Realität

  • Es gibt einen Unterschied zwischen dem Top-Speed, den du in der Werbung siehst...(So viel ist meist technisch im Idealfall möglich)
  • ... und der „maximal geschätzten“ Internetgeschwindigkeit. (Das ist die Surf-Geschwindigkeit, die du im Durchschnitt garantiert erwarten kannst)

Studie kritisiert fehlende Angaben bei Providern

Dieser Wert der „maximal geschätzten“ mobilen Internetgeschwindigkeit muss laut einer EU-Verordnung seit 2015 zwar theoretisch überall - zumindest im Kleingedruckten - zusätzlich zur technischen Höchstgeschwindigkeit angeführt stehen, tut es aber meist in der Praxis nicht, sagt die Studie. Daher sei es für die Kunden nicht nachvollziehbar, mit welchem Speed er oder sie tatsächlich vertraglich rechnen können.

Person hält Handy beziehungsweise Smartphone in der Hand. Darauf sieht man Youtube

pixabay.com

Ein weiterer Fall hat in den vergangenen Tagen für Aufregung gesorgt: Ein Mobilfunker hat einen Tarif mit 300 MBit Geschwindigkeit verkauft. Sollte es eng werden, sind aber nur 2 MBit wirklich fix garantiert. Das wären 1/150 der beworbenen Maximalgeschwindigkeit.

Johannes Gungl, Chef von der Telekommunikationsbehörde RTR, sagt gegenüber Ö3: "Einerseits, wenn [die „maximal geschätzte mobile Internetgeschwindigkeit] gar nicht angegeben ist, ist es ein Gesetzesverstoß, und wenn die Diskrepanz zu groß ist, dann ist es ebenfalls ein Gesetzesverstoß.“

Warum gibt es solche Schwankungen im Netz?

Antwort: Um Spitzen bei enger Auslastung abzufangen! Das haben A1, T-Mobile und Drei in Stellungnahmen gegenüber Ö3 argumentiert: Wenn zu viele Personen am gleichen Sendemast surfen, könne aus technischen Gründen kein durchgehender Top-Speed garantiert werden.

Diese Faustregel solltest du dir merken

Wenn dein Provider dauerhaft 50 Prozent oder weniger Speed liefert als du bezahlst, dann darfst du dich ruhig beschweren, sagt die RTR. Der Rest kann meist mittels technischer Schwankungen argumentiert werden.

Wie machst du das?
Zu allererst solltest du dir deine verfügbare Internetgeschwindigkeit über einen ganzen Tag und eine Nacht verteilt anschauen, quasi ein „24-Stunden-EKG“.

Aber keine Sorge, du musst nicht die ganze Nacht wach bleiben: Der offizielle „Netztest“ der RTR macht das automatisch mit wenigen Klicks. Außerdem können diese Ergebnisse mit anderen offiziellen Messungen der RTR verglichen werden.

Zur Testseite geht es hier. Wähle für das 24-Stunden-Monitoring die Testoption „Wiederholungsmodus“.

„Der Ö3-Wecker“ mit Philipp Hansa, 31. Jänner 2018
(Martin Krachler)