Mutter Erde

Hitradio Ö3 / Michi Heininger

Elektrogeräte: Schluss mit geplantem Ablaufdatum

Also Waschmaschinen, Drucker, Handys, Fernseher...die bewusst den Geist aufgeben, damit du dir wieder ein neues Teil kaufst. In fünf Jahren soll eine entsprechende EU-Norm solche Geräte verbieten. Ö3-Reporter Michi Heininger hat für dich den Mann getroffen, der sich in Österreich dafür stark macht und auch Tipps bekommen, was jeder einzelne von uns tun kann.

Wie viele Elektrogeräte schmeißt du jährlich weg, anstatt sie zu reparieren? Oder weils nicht mehr der neueste heiße Scheiß ist? Dabei hält zum Beispiel eine gute Waschmaschine locker 15 Jahre.

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Hitradio Ö3 / Michi Heininger

Wer billig kauft, kauft teuer

Sepp Eisenriegler besitzt eine der größten Elektroreperatur Werkstätten Österreichs. In riesigen Lagerhallen am Standrand von Wien lagern in meterhohen Regalen bis an die Decke Staubsauger, Mixer, Kaffeemaschinen, Radios, Waschmaschinen. Knapp 12.000 solcher Patienten hat er im Reparatur- und Servicezentrum pro Jahr und alle haben dasselbe Problem. Drucker haben zum Beispiel Zählwerke eingebaut. Wenn diese ihr Maximum erreicht haben, kommt beispielsweise eine Fehlermeldung, obwohl die Tintenkartusche noch halb voll ist.

Bei Waschmaschinen ist es noch einfacher. Es werden einfach billige Verschleißteile eingebaut. Billigwaschmaschinen um 300,- Euro haben meist ein Innenleben aus Kunststoff oder einen Stoßdämpfer, der nur aus zwei eingefetteten Schaumstoffringen besteht. Diese Teile werden schnell porös und die Waschmaschine ist Reif für den Schrottplatz. Selten kann da auch Sepp Eisenriegler noch etwas machen. Teurere Geräte hingegen sind allein durch ihre Bauweise stabiler, langlebiger und auch leichter zu reparieren. Darauf bauen natürlich viele Hersteller. Wer gibt schon gerne viel Geld für eine Waschmaschine aus? Wenn man jetzt aber davon ausgeht, dass eine 900,- Euro Waschmaschine sicher 15 Jahre hält, eine 300,- Euro Waschmaschine nur drei, kann man auf lange Sicht sparen.

Der Beitrag aus dem Ö3-Wecker zum Nachhören:

Gebaut, um kaputt zu werden

Die Strategie ist natürlich einfach. Wer sich einmal eine gute Waschmaschine kauft, wird die nächsten 15 Jahre keine neue brauchen. Für das Geschäft der Hersteller ist das natürlich schlecht. Außerdem ist auch unser Konsumverhalten darauf ausgelegt: Wir wollen immer neue Sachen. Wenn das Handy zwei Jahre alt ist, kann es uns zu wenig, wir wollen das neueste Modell. Da müssen auch die Hersteller mithalten können. Mit einer EU-Norm sollen Unternehmen nun gezwungen werden, die Nutzungsdauer unserer Geräte wieder zu verlängern. Auch indem sie wieder einfacher zu reparieren sind.

Sepp Eisenriegler zeigt im Vergleich das Innenleben einer Billigwaschmaschine und eines Geräts mit hochwertigeren, langlebigeren Bauteilen:

Das kannst du machen, um Elektroschrott zu verhindern

Aktuell kommen jährlich bei jedem und jeder einzelnen von uns 22 Kilogramm Elektroschrott dazu. Weltweit sind es 45 Millionen Tonnen.

Beim Kauf
Schon hier, solltest du auf die Langlebigkeit der Produkte achten, das ist eigentlich der wichtigste Schritt. Zwei Tipps vom Experten:

1) Der Preis ist entscheidend
Bei Haushaltsgroßgeräten, also Waschmaschine, E-Herd, Geschirrspüler etc. gilt das immer noch. Teurere Produkte halten da im Schnitt auch länger. Günstigere Produkte sind meist schon so gebaut, dass man sie erst gar nicht mehr reparieren kann. Bei Unterhaltungselektronik gilt das nicht. Hier wird generell günstig verarbeitet. Fernseher haben zum Beispiel meist nur noch eine Platine, an der alles hängt. Solche Geräte sind also generell auf’s wegwerfen ausgelegt.

2) Wie lang gibt es Ersatzteile?
Eine Frage, die du jedem Verkäufer fragen solltest. Kann der nicht weiterhelfen, dann direkt beim Hersteller anfragen. So siehst du nämlich, auf wie viele Jahre die Nutzung des Gerätes schon im Vorhinein ausgelegt ist. Gibt es nur 1-2 Jahre Ersatzteile, dann eher Finger weg.

Trends von der Elektronik-Messe IFA

Wolfgang Kumm / dpa / picturedesk.com

Reparieren statt wegschmeißen
Hast du dich für ein Gerät entschieden, das man reparieren kann, verlängerst du damit die Nutzungsdauer. In den meisten Fällen zahlt sich das auch noch auf jeden Fall aus.

Solange dein altes Gerät top funktioniert, nicht austauschen
Auch wenn vielleicht die neue Waschmaschine im Geschäft eine viel höhere Energiesparklasse hat. Unterm Strich sparst du da so gut wie nix, sagt Sepp Eisenriegler. Der ökologische Fußabdruck den du aber mit dem Kauf erzeugst, der ist RIESIG.

Ö3 für Mutter Erde

„Verwenden statt verschwenden“, das Motto der ORF-Umweltinitiative Mutter Erde, bringt’s auf den Punkt: Es geht um das Bewusstsein, dass Ressourcen nicht unbegrenzt vorhanden sind und unser Kaufverhalten vielfältige Auswirkungen auf unseren Planeten hat. Auf Ö3 hörst du derzeit viele Informationen zu diesem Thema, das uns alle betrifft...

Entspannung für deinen ökologischen Fußabdruck

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ORF-Umweltinitiative „Mutter Erde“

„Ö3-Wecker“ mit Robert Kratky, 11. Juni 2019 (Michi Heininger)