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Was bringt Social Media Wahlkampf den Parteien?

Altaussee, Kroatien, Jesolo – unsere Spitzenpolitikerinnen kommen der Reihe nach von ihren Sommerurlauben zurück, und starten in den Wahlkampf. Auf Social Media ist der Wahlkampf aber schon seit einem Monat voll hochgefahren. Aber was bringt das eigentlich?

Derzeitige Spitzenreiterin im Social-Media-Wahlkampf ist SPÖ Chefin Pamela Rendi-Wagner. Die SPÖ hat im vergangenen Monat ca. 75.000 Euro in den Wahlkampf im Netz investiert und allein in der letzten Woche 235 Kampagnen online geschaltet. Sebastian Kurz von der ÖVP, bisher immer mit den höchsten Ausgaben, gibt da vergleichsweise wenig nämlich nur 14.000 Euro aus.
„Aber Geld allein für Kampagnen auszugeben reicht nicht,“ sagt Social Media Marktforscher Markus Zimmer von Buzz Value. „Sondern es geht um die Interaktionen mit den Wählerinnen – also wie oft schafft es die Partei, dass ihre Contents geteilt, geliked und kommentiert werden, denn je mehr die Parteien ihre Wählerinnen auf Social-Media mobilisieren können, desto eher gehen diese Menschen dann auch für diese Partei an die Wahlurne. Das heißt Interaktion ist die Mobilisierung der eigenen Wählerschaft und deshalb die große Währung im Wahlkampf.“

Ö3-Reporterin Denise Delle-Karth hat für dich recherchiert und im Ö3-Wecker berichtet:

Darum ist Social Media Reichweite wichtig

Für Parteien ist der Social-Media-Wahlkampf die Möglichkeit unmittelbar und direkt mit den Wählerinnen zu kommunizieren, sagt Politberater Thomas Hofer: „Denn über andere Medien wie Radio, Fernsehen oder Zeitungen läuft natürlich auch ein journalistischer Filter drüber – und man müsste sich auch unangenehmen Fragen stellen. Auf Social Media eine große Reichweite zu haben ist für jeden und jede die in der Politik erfolgreich sein will unerlässlich. Hier haben sie die Möglichkeit ihre Wählerinnen ganz direkt und ungefiltert anzusprechen.“

Social Media / Instagram / Facebook / WhatsApp / Google / Messenger / Twitter

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Gerade für sie SPÖ sei es derzeit wichtig über Soziale Netzwerke zu zeigen, am Puls der Zeit zu sein, so Hofer. „Die SPÖ hat in den vergangenen Jahren einen riesigen Rückstand aufgerissen, auf beispielsweise Sebastian Kurz, der ein echter Netzwerk-Kaiser ist oder früher auf H.C. Strache, der in diesem Bereich sehr erfolgreich war. Hier Präsenz zu zeigen und Geld hinein zu pumpen, hilft das Image aufzubessern, Vertrauen zu schaffen, auch gegenüber den eigenen Funktionären, dass man kampagnenfähig ist.“

Nicht unkritisch betrachtet Markus Zimmer von Buzz Value aber auch einige Aspekte des Social-Media-Wahlkampfs: „Es wird für Wählerinnen auf Social-Media-Plattformen auch immer schwieriger Informationen und Inhalte zu bekommen, die nicht innerhalb ihrer Bubble bzw. Community sind. Menschen, die beispielsweise die FPÖ wählen, werden auch eher immer Content von FPÖ nahen Medien und FPÖ nahen Menschen bekommen. Dadurch wird es schwierig auch einen Blick auf die andere Seite zu bekommen. Das gilt aber für alle Parteien, denn der vielzitierte Facebook Algorithmus schnürt die Themen maßgeschneidert auf uns zu, weshalb es Inhalte, die konträr sind zu den Themenfeldern, in denen man sich normalerweise bewegt, schwerer haben uns zu erreichen.“

In knapp sieben Wochen wird gewählt. Experten gehen davon aus, dass der Peak des Social-Media-Wahlkampfs noch lange nicht erreicht ist. Im Juli wurde zwar schon bemerkenswert viel Geld ausgegeben und Kampagnen geschaltet, aber es werden im Laufe des August und September noch mehr Politik Werbungen auf unseren Handys und Laptops aufpoppen.

„Ö3-Wecker“ mit Philipp Hansa am 8. August 2019 (Denise Delle-Karth)