Almabtrieb mitten im Sommer

Hitradio Ö3 / Johann Puntigam

Ungewöhnlich: Almabtrieb mitten im Sommer

Viel zu heiß und viel zu trocken. Der heurige Sommer ist extrem und das sorgt jetzt sogar hoch oben auf den Bergen - auf unseren Almen für Probleme. Ganz konkret sind die etwa im Mur, Mürz und Ennstal, aber auch im Osten der Steiermark so ausgetrocknet, dass der Almabtrieb teilweise jetzt - also zwei Monate verfrüht - vorgezogen wird.

Viele hellbraune, staubtrockene Flächen sind vor allem dort zu sehen, wo jetzt eigentlich die Kühe das saftigste Grün zu fressen bekommen sollten. Anton Hafellner hat einen von 15 Betrieben in der Almgemeinschafft Kletschachalm. 10 Betriebe werden schon in den nächsten Tagen mit dem Almabtrieb beginnen: „Wenn das so wie hier bis auf die Wurzeln, die Grasnarben abtrocknet, da hast Du keine Chance das das heuer wieder nachwächst. Und so müssen wir halt die Kühe heimbringen in die Heimbetriebe, also jetzt schon von der Alm abtreiben.“

Vor allem die größeren Tiere müssen ins Tal – nur die Jungtiere bleiben fürs Erste auf der Alm.

Almabtrieb mitten im Sommer

Hitradio Ö3 / Johann Puntigam

Wirtschaftliche Belastung

Der außergewöhnlich frühe Almabtrieb bleibt natürlich nicht ohne Folgen im Tal: „Weil jetzt müssen wir dann schon die Herbstweide, die Reserve angänzen. Bzw. die Kühe jetzt auf Flächen grasen lassen, wo normalerweise der dritte Schnitt wachsen müsste und das Futter fehlt dann für den Winter.“

Futtermittel müssen also zugekauft werden. Und auch direkte wirtschaftliche Folgen hat der Extremsommer- die Kühe sind magerer als sonst: „Weil sie den ganzen Tag viel gehen müssen um Futter zu suchen, dann nehmen sie nicht so zu, können nicht so gut wachsen. Es gibt also Einbußen in der Fleischleistung.“, so Hafellner.

Zuletzt in den Siebzigern so schlimm.

„Mitte der 70er Jahre hat es eine ähnliche Situation gegeben. Da hat man hier das Vieh in Waldschneißen getrieben, wo die Tiere dann Himmbeerstauden und Ähnliches gefressen haben. So extrem wie heuer das ist etwa die Parallele zu damals.“

Regen hilft nicht mehr

„Der Regen der letzten Tage ist wahrscheinlich zu spät, weil sich die Grasnarbe nicht so schnell erholen kann, wie die Kühe das Futter brauchen.“

„Ö3-Wecker“ mit Philipp Hansa (Johann Puntigam)