Johanna Dohnal im Ö3-Interview

Hitradio Ö3

Weltfrauentag: Johanna Dohnals Enkelin im Ö3-Interview

Die 33-jährige Johanna-Helen Dohnal ist die fast gleichnamige Enkelin der legendären, 2010 verstorbenen Frauenministerin.

Dass der Name Johanna Dohnal auch heute noch polarisiert, spürt die 33-Jährige immer wieder am eigenen Leib. „Es gibt Menschen, die sich sehr freuen, die Enkeltochter von Johanna Dohnal kennenzulernen“, erzählt sie. Aber sie erlebt auch ablehnende Reaktionen. In der Schule oder bei Bewerbungsgesprächen sei ihr der Name immer wieder im Weg gestanden. „Es gibt viele, die sich denken, mit der könnte es schwierig werden, die könnte Rebellion bedeuten.“

Johanna Dohnal applaudiert

Robert Newald / picturedesk.com

Vielraucherin

Viele Erinnerungen hat die Enkelin an das große, prunkvolle Ministerinnenbüro. Als Kind hat ihre Großmutter sie regelmäßig von der Schule abholen lassen, um Johanna-Helens berufstätige Mutter zu entlasten. „Wenn meine Großmutter ihre Zigarette ausgedämpft und binnen Sekunden gleich die nächste angezündet hat, dann habe ich gewusst, jetzt steht sie unter Druck, jetzt muss ich mich ein bisschen zurücknehmen“, erzählt sie, „meistens hat sie aber versucht, das von mir abzuschirmen und mir eine liebevolle Großmutter zu sein.“

Die Lebensgefährtin

Rückhalt habe der Großmutter vor allem ihre Lebensgefährtin Annemarie Aufreiter gegeben. „Sie hat meine Oma im Hintergrund immer unterstützt“, erzählt die Enkelin, „die beiden haben viel miteinander diskutiert, Reden umgeschrieben, sie war an vielen Dingen maßgeblich beteiligt.“ Johanna Dohnal war als unbequeme Frauenpolitikerin einem besonders hohen Druck ausgesetzt. Der Widerstand in der Politik gegen ihre Person und ihre Initiativen war groß, auch innerhalb der eigenen Partei, der SPÖ. Trotzdem ist die Liste ihrer Errungenschaften - zuerst als Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen und später als erste Frauenministerin - lang: die Finanzierung von Frauenhäusern, das Verbot von Vergewaltigung in der Ehe, die Anrechnung der Kindererziehung für die Pension,...

Johanna Dohnal 1985

Wenzel-Jelinek, Margret / ÖNB-Bildarchiv / picturedesk.com

Ihre Großmutter ist zwar ein riesiges Vorbild, Johanna-Helen Dohnal selbst zieht es aber nicht in die hohe Politik. Die „niederschwellige Arbeit“ passe besser zu ihr. In der Vergangenheit war sie beim Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen und beim Verein Wiener Frauenhäuser tätig, aber auch im Wiener Stadtratsbüro für Frauen. Seit kurzem arbeitet sie bei einem Online-Nachrichtenportal in Gebärdensprache.

Bücher, Campingbus und Kino

Das Aufwachsen mit ihrer Großmutter sei einem „irrsinnig großen Wissensinput“ gleichgekommen, sagt die 33-Jährige. Ihre Großmutter hat eine große Bibliothek gehabt, aus der sie der Enkeltochter regelmäßig Bücher geliehen hat. Wichtig war in der Familie, dass Geburtstage und Namenstage groß gefeiert werden, wobei zu später Stunde dann immer politisch diskutiert worden ist. Auch an viele Kinobesuche oder Trips mit ihrer Großmutter im Campingbus kann sie sich erinnern.

Auf die Frage, für was ihre Großmutter heute kämpfen würde, antwortet die Enkelin: „Leider immer noch für das gleiche, leider: Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, die 30-Stunden-Woche für alle, neue Prostitutionsgesetze, die Bekämpfung von Gewalt an Frauen.“

"Die Dohnal"

Elfie Semotan

Johanna-Helen Dohnal ist auch in der Dokumentation „Die Dohnal“ am kommenden Dienstag auf ORF 2 zu sehen.

„Guten Morgen am Sonntag“ mit Martina Rupp, 7. März 2021 (Sarah Seekircher)