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„Manueller Reset“: Facebook-Dienste wieder online

Rund sechs Stunden ohne Facebook, WhatsApp und Instagram: Ein ungewöhnlich langer Total-Ausfall hat am Montag Milliarden Nutzer des Online-Netzwerks zugesetzt. Während Facebook sich zunächst nicht zu den Ursachen der Störung äußerte, tippten Experten auf einen Konfigurationsfehler in der Netzwerk-Infrastruktur, der alle Facebook-Dienste unerreichbar machte.

Facebook-Gründer und -Chef Mark Zuckerberg entschuldigte sich in einem kurzen Facebook-Post. Das technische Team von Facebook twitterte: „An die riesige Gemeinschaft von Menschen und Unternehmen auf der ganzen Welt, die sich auf uns verlassen: Es tut uns leid.“

Sicherheitsexperten sagten, der zeitweilige Ausfall könnte das Ergebnis eines internen Fehlers sein. Doch eine Sabotage durch einen Insider sei theoretisch ebenfalls möglich. „Facebook hat seine Schlüssel im Auto eingeschlossen“, tweetete Experte Jonathan Zittrain, Direktor des Berkman Klein Center für Internet und Gesellschaft in Harvard.

Kurz nach dem Ausfall hatte Facebook bestätigt, dass die Nutzer Probleme beim Zugriff auf seine Dienste hätten. Neben der Plattform des Online-Netzwerks fielen auch die zum Facebook-Konzern gehörenden Dienste WhatsApp und Instagram aus. Auch User in Österreich waren von dem Ausfall betroffen.

Cyperattacke? Unwahrscheinlich

Die Störung war so schwer in Griff zu bekommen, dass Facebook der „New York Times“ zufolge ein Team in sein Rechenzentrum im kalifornischen Santa Clara schicken musste, um einen „manuellen Reset“ der Server zu versuchen. Das wäre in etwa so, wie wenn man beim PC zuhause den Reset-Knopf drückt, weil nichts mehr geht.

Bei Facebook selbst seien neben der internen Kommunikationsplattform zum Teil auch digitale Türschlösser in Büros und andere vernetzte Technik ausgefallen, schrieb die „New York Times“ weiter. Zwei namentlich nicht genannte IT-Sicherheitsexperten von Facebook sagten der Zeitung, eine Cyberattacke als Auslöser der Probleme erscheine unwahrscheinlich.

Nachgefragt beim Sicherheitsexperten

Im „Ö3-Wecker“ hat Robert Kratky mit Joe Pichlmayr telefoniert, der als Cyber-Security-Experte beim Softwareunternehmen Ikarus arbeitet. Der IT-Experte versucht im Ö3-Interview den Ausfall und seine Konsequenzen zu erklären:

Allein schon für den Austausch über den Ausfall schlug die Stunde von Twitter - und der Facebook-Konkurrent war sich dessen bewusst. „Willkommen buchstäblich alle“, twitterte der Account des Kurznachrichtendienstes.

Für Facebook, das gerade in den USA unter verstärktem politischen Druck steht, war ein mehrstündiger Ausfall eine blamable Krönung ohnehin schlechter Wochen. Erst am Sonntag hatte eine ehemalige Mitarbeiter sich als Whistleblowerin zu erkennen gegeben und warf dem Online-Netzwerk vor, Profit über das Wohl der Nutzer zu stellen. Am Dienstag sollte sie im US-Senat befragt werden. Twitter war entsprechend voller Scherze darüber, wie das Verschwinden von Facebook alles auf einen Schlag besser gemacht habe, bis hin zum Weltfrieden.

Die Facebook-Aktie schloss mit einem Minus von knapp fünf Prozent. Auch danach war das Unternehmen an der Börse immer noch rund 920 Milliarden Dollar wert. Nachdem die Störung behoben war, legte der Kurs im nachbörslichen Handel zeitweise um 0,55 Prozent zu.

„Ö3-Wecker“ mit Robert Kratky, 5. Oktober 2021 (APA/dpa)