Alec Baldwin

John Minchillo / AP / picturedesk.com

Alec Baldwin twittert: „Es bricht mir das Herz!“

Nach dem tödlichen Schuss auf Kamerafrau Halyna Hutchins bei den Dreharbeiten zum Western „Rust“ meldete sich Alec Baldwin auf Twitter zu Wort. Gleichzeitig sicherte der Schauspieler den Ermittlungsbehörden seine volle Kooperation zu. Auch Halyna Hutchins’ Ehemann wendete sich bereits an die Öffentlichkeit.

Hollywood-Star Alec Baldwin twitterte am Freitag: „Es bricht mir das Herz“, schrieb er am Freitag auf Twitter. Der 63-jährige Schauspieler erschoss am Donnerstag offenbar versehentlich die Kamerafrau Halyna Hutchins während der Dreharbeiten den Western „Rust“ im US-Bundesstaat New Mexico, als er eine Requisitenwaffe abfeuerte. Die Polizei durchsuchte mittlerweile das Filmset.

Kooperation mit Ermittlern

„Keine Worte können meinen Schock und meine Trauer angesichts des tragischen Unfalls zum Ausdruck bringen, der das Leben von Halyna Hutchins genommen hat“, erklärte Baldwin, der offenbar nicht wusste, dass die Waffe mit scharfer Munition geladen war. „Es bricht mir das Herz für ihren Mann, ihren Sohn, und alle, die Halyna gekannt und geliebt haben.“ Baldwin sicherte den Ermittlungsbehörden seine umfassende Kooperation zu.

Der Schauspieler wurde bereits von der Polizei befragt. „Er hat Erklärungen abgegeben und die Fragen beantwortet“, sagte der Sprecher des Sheriffs von Santa Fe, Juan Rios. „Er kam freiwillig und verließ das Gebäude, nachdem er seine Befragung beendet hatte. Es wurde keine Anklage erhoben und es gab keine Festnahmen.“

Die Zeitung „Santa Fe New Mexican“ veröffentlichte Bilder eines schockiert wirkenden Baldwin auf dem Parkplatz des Sheriffs. Die Zeitung berichtete, ihr Reporter habe den Schauspieler in Tränen aufgelöst gesehen. Ermittler durchsuchten das Filmset. Sie beschlagnahmten neben der Waffe und den Patronenhülsen auch die Kleidung, die Baldwin zum Zeitpunkt des Unfalls getragen hatte.

Der Vorfall ereignete sich auf der Bonanza Creek Ranch nahe Santa Fe. Das Filmteam probte dort eine Szene, für die ein Regieassistent Baldwin die Requisitenwaffe übergab, wie die Zeitung „Santa Fe New Mexican“ berichtete. Er habe ihm dabei zugerufen, dass die Waffe keine scharfe Munition enthalte.

Baldwin feuerte dann die Waffe ab und traf Hutchins in die Brust. Regisseur Joel Souza erlitt eine Schulterverletzung. Die 42-Jährige wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen, erlag aber ihren Verletzungen. Der 48-jährige Souza wurde ebenfalls in einem Krankenhaus behandelt, konnte die Klinik aber später wieder verlassen.

Steirischer Schauspieler war am Set

Am Filmset in Santa Fe wird bereits seit drei Wochen gedreht. Mit dabei ist auch der steirische Schauspieler Swen Temmel. Im Ö3-Interview erzählt er von den dramatischen Minuten unmittelbar nach dem Unglück.

Ärger über Arbeitsbedingungen

Laut einem Bericht der „Los Angeles Times“ hatte es wenige Stunden vor dem tödlichen Unfall Spannungen am Set gegeben. Sechs Mitglieder des Filmteams verließen demnach aus Ärger über die Arbeitsbedingungen die Dreharbeiten. Dem Bericht zufolge hatte auch Hutchins bessere Sicherheitsmaßnahmen gefordert.

Die aus der Ukraine stammende Hutchins war 2019 vom Branchenmagazin „American Cinematographer“ als eines der aufstrebenden Nachwuchstalente an der Kamera ausgewählt worden. Das ukrainische Außenministerium teilte mit, sein Konsulat in San Francisco kooperiere mit den US-Behörden und sei im Gespräch mit Hutchins’ Angehörigen.

Ehemann wendet sich an die Öffentlichkeit

Matthew Hutchins, der Ehemann von Halyna steht unter Schock: „Ich weiß zu schätzen, dass alle sehr mitfühlend waren“. Er sagte dem US-Portal „Insider“ nach dem tragischen Unglück: „Ich bin nicht in der Lage, mich zu den Fakten oder dem Prozess, den wir gerade durchlaufen, zu äußern, aber ich weiß zu schätzen, dass alle sehr mitfühlend waren.“

Es werde einige Zeit dauern, bis er das schreckliche Ereignis verarbeitet habe. „Ich glaube nicht, dass es Worte gibt, die die Situation angemessen beschreiben“, sagte er weiter.

„Requisitenwaffen sind Waffen“

Es gibt eine breite Palette von Requisitenwaffen, von nicht funktionierenden Waffen bis hin zu Schreckschusspistolen. Oft handelt es sich jedoch um eine echte Waffe, die für Platzpatronen angepasst wurde. Sie werden für Szenen verwendet, die einen glaubwürdigen Mündungsblitz und einen lauten Knall erfordern. Um die optische Wirkung noch zu verstärken, wird an manchen Filmsets zusätzliches Pulver verwendet – was ihre Gefährlichkeit noch erhöht. Viele in der Branche fragen sich nun, warum in einer Zeit, in der Schusswaffeneffekte einfach per Computer hinzugefügt werden können, überhaupt noch Platzpatronen verwendet werden.

Filmset Santa Fe

Roberto E. Rosales / Zuma / picturedesk.com

„Requisitenwaffen sind Waffen“, twitterte der TV-Autor David Slack. „Platzpatronen haben echtes Schießpulver in sich. Sie können verletzen oder töten – und das haben sie auch. Keine Show oder Aufnahme ist es wert, das Leben von Menschen zu riskieren.“

Das Branchenblatt „The Hollywood Reporter“ zitierte einen Sprecher der „Rust“-Produktionsfirma, wonach es sich um einen Unfall gehandelt habe. Die Waffe, die am Set verwendet wurde, hätte demnach mit Platzpatronen geladen sein sollen. Das Filmteam sei „von der heutigen Tragödie absolut erschüttert“.

(APA/KO)