Montana Austrian

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Montana Austria Waffenschmuggelaffäre

Erstaunlich, was in Österreich und der Welt im Laufe der Zeit so alles passiert und woran man sich oft nur noch vage und schemenhaft erinnern kann. Ö3 dreht virtuell am Rad der Zeit und bringt dich zurück an die Orte der großen Weltpolitik, der schrecklichen Katastrophen, aber auch der unglaublich schönen Momente. Steig ein und fiebere mit, wenn wir mit Ö3 entspannt durch die Zeit reisen.

Von und mit Norbert Ivanek

Am 13. Mai 1981 fliegt in den USA einer der größten Waffenschmuggelaffären aller Zeiten auf, sagt zumindest die Zollbehörde in Houston, USA, die eben ein österreichisches Flugzeug samt brisantem Waffeninhalt beschlagnahmt hat. Eine Maschine der Montana- Austria Privatfluggesellschaft. Wir hören’s in den Ö3-Nachrichten.

„Vier Österreicher sind in eine der größten Waffenschmuggelaffären der amerikanischen Geschichte verwickelt. Auf dem internationalen Flughafen von Houston in Texas sind mehr als 2.200 für Südafrika bestimmte Militärwaffen im Wert von umgerechnet fast 20 Millionen Schilling sichergestellt worden, als sie von vier österreichischen Besatzungsmitgliedern und zwei Briten in eine österreichische Boeing 707 verladen werden sollten. Auch das Flugzeug wurde beschlagnahmt. Namen der Österreicher wurden nicht genannt.

Die Waffenschmuggelaffäre hat offensichtlich ungeahnte Ausmaße. Die automatischen Gewehre, Granatwerfer und Pistolen wurden von der amerikanischen Firma Colt hergestellt, in Hartford im Bundesstaat Connecticut gekauft und in einem Sattelschlepper quer über den halben Kontinent nach Houston gebracht. Die Polizei verfolgte bereits seit drei Wochen eine heiße Spur. Die Waffen sollten mithilfe einer gefälschten Exportlizenz des amerikanischen Außenministeriums nach Südafrika gebracht werden.

Wie sich nun herausgestellt hat, gehört die beschlagnahmte Boeing 707 der österreichischen Fluggesellschaft Montana Austria. Montana- Geschäftsführer Stöckl bestätigte, er habe für eine Firma mit Sitz in Liechtenstein und Khartum den Transport einer Frachtsendung übernommen. Der Frachtgegenstand sei ihm gegenüber als Stahlwaren deklariert worden. Er habe beim amerikanischen zivilen Flug an die geplante Durchführung des Fluges von Houston nach Johannesburg ordnungsgemäß beantragt und auch das österreichische Verkehrsministerium und das Außenministerium über das Geschäft informiert, um von vornherein eine korrekte Abwicklung des Transportgeschäftes allen Stellen anzuzeigen. Über die Beschlagnahme und über die Festnahmen wurde die Montana Austria von den amerikanischen Behörden noch nicht offiziell verständigt.“

Das Ö3-Zeitreisevideo des Tages:


Am selben Tag, diesem 13. Mai 1981 herrscht blankes Entsetzen, ja Fassungslosigkeit am Petersplatz in Rom. Papst Johannes Paul II., der im offenen Papamobil seine Generalaudienz hält, wird vor den Augen von tausenden Gläubigen aus nächster Nähe niedergeschossen. Der Attentäter ist ein türkischer Rechtsextremist, der später behauptet, er habe den Auftrag direkt von Irans Ajatollah Khomeini bekommen. „Du musst den Papst im Namen Allahs töten.“ Johannes Paul II. wird von drei Kugeln getroffen, überlebt schwerverletzt. Die Reaktionen der Welt hören wir in den Ö3-Nachrichten.

„Mit Abscheu und scharfer Verurteilung reagieren prominente Politiker in aller Welt auf das Attentat auf den Papst. Präsident Reagan würdigte den Papst als Mann des Friedens. Der Senat in Washington unterbrach eine Rüstungsdebatte für ein kurzes Gebet. Die gesamte sowjetische Presse bringt heute eine lapidare Meldung der Nachrichtenagentur TASS über das Attentat. In Polen unterbrach der Rundfunk unmittelbar nach Bekanntwerden des Anschlages sein Programm. Für heute wurden im Heimatland des Papstes alle Unterhaltungs- und Kinoveranstaltungen abgesagt. Gewerkschaftsführer Walesa, ihn erreichte die Nachricht in Japan, brach in Tränen aus.

Der türkische UNO-Botschafter hat schwere Vorwürfe gegen bestimmte politische Kreise in Westeuropa erhoben. Der Diplomat sagte, die Warnungen der Regierung in Ankara vor türkischen Terroristen seien nicht ernst genommen worden. Die türkischen Behörden haben die Auslieferung des Attentäters beantragt. Ihrem Begehren dürfte allerdings aus juristischen Gründen nicht nachgekommen werden. Bundespräsident Kirchschläger und andere österreichische Spitzenpolitiker haben dem Papst Genesungswünsche übermittelt. Bundeskanzler Kreisky bezeichnete in Sofia das Attentat als unfassbar und ungeheuer aufwühlend. Kardinal König zelebriert zur Stunde im Stephansdom eine Messe zur Genesung des Papstes.“


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Eröffnung des neuen Nürburgrings 1984
== Norbert Ivanek ist der Ö3-Zeitreiseleiter: ==

Norb in Venice

Norbert Ivanek

Ö3-Redakteur Norbert Ivanek

Gefühlvoll wühlt er sich täglich durch knapp 55 Jahre Ö3-Archiv und findet Erstaunliches, Interessantes aber auch Überraschendes. Die Ö3-Zeitreise entführt dich in die Höhen und Tiefen des Lebens, in glückliche und traurigere Momente, in absolute Highlights und tiefschwarze Nullpunkte. Ö3 war und ist für dich immer mit dabei mitten im Geschehen und direkt am Puls der Zeit.

„Ö3 am Vormittag“ mit Kati Bellowitsch, 13. Mai 2022 (NI)