Main Stage Szene Openair 2021

Matthias Rhomberg

Szene-Open-Air – Ein (ehren)amtliches Festival!

Sie sind die Besten im Westen, die mehr als 400 ehrenamtlichen HelferInnen, die mit viel Engagement das mega-chillige Szene-Open-Air in Lustenau über die zwei großen Bühnen bringen. 25.000 junge, glückliche Musikfans danken es drei Tage lang mit einer ausgelassenen Party.

Wenn es die Top-Veranstalter vom Nova Rock, Electric Love oder vom Frequency-Festival, die heuer in so ziemlich allen Bereichen, von den Securitys bis hin zu den Stagehands, unter extremem Personalmangel leiden, zufällig einmal hierher zum Szene-Open-Air nach Vorarlberg verschlagen würde, würden sie wahrscheinlich sofort versucht sein, mit ihren dicken Brieftaschen viele dieser Spitzenkräfte vom Fleck weg abzuwerben. Diese Amateure spielen nämlich in der Profiliga.

Ihr gemeinnütziger Job macht ihnen offensichtlich viel Spaß. Da wird man schon beim Festival-Check-in mit einem fetten Smile begrüßt, man gibt bereitwillig Auskunft und ist dabei immer höflich und gastfreundlich. Der Kultur- und Jugendverein Szene Lustenau, der auch das ganze Jahr über Konzerte im Carini-Saal veranstaltet, kümmert sich beim Szene-Open-Air aber auch um Abfallvermeidung, Suchtprophylaxe, Mobilitätsmanagement und betreibt am Gelände sogar einen eigenen Kindergarten, damit die Eltern ungestört vor den Bühnen wie gestört herumhüpfen können.

Zuallererst geht es den jungen Ehrenamtlichen aber um die Musik. Während sich die meisten gleichaltrigen Musikfans die Songs ihrer Lieblings-Acts auf Tonträgern, im Radio oder sonst wo reinziehen, holen sich diese Kids ihre Stars lieber live und in echt zu sich nach Hause in die Region. Und die kommen alle gerne. Folkshilfe, Anger, Provinz und Headliner Marteria haben gestern Abend mit bombastischen Auftritten für sensationelle Stimmung gesorgt.

Folkshilfe im Interview mit Benny Hörtnagl beim Szene Open Air Lustenau

Ö3/Clemens Stadlbauer

Was das Szene-Open-Air mit dem Nova Rock, Electric Love und Woodstock der Blasmusik heuer aber definitiv gemein hat, sind die Wetterkapriolen. Die Hitze gestern war abnormal. Kein Wunder, dass die Berggipfel rundherum heuer kein Weiß tragen. Der Käsespätzle-Stand, der bei einem Festival im Ländle natürlich Pflicht ist, ist bei diesen Temperaturen dennoch kein Reinfall. So wie der Alte Rhein, in den die Festivalbesucher vom nahen Campingplatz zu Tausenden rheinfallen. Und jetzt die Pointe: Für heute sind schwere Gewitter angesagt. Die fulle Festival-Experience also. Wieder einmal.

Dafür freuen sich alle auf ein einzigartiges Wetterphänomen heute Abend, wenn Headliner Casper „Im Ascheregen“ voll abgehen wird. Aber auch Turbobier aus dem fernen Simmering und Lo & Leduc, die es von der Schweiz auf der anderen Seite des Flusses nicht allzu weit her hatten, werden heute für mächtig Stimmung sorgen, so wie Mavi Phoenix und Princess Nokia am morgigen, letzten Festivaltag. Ach ja, und dann kommt natürlich morgen auch noch diese Band aus Deutschland, die verlässlich alle Regler am Mischpult auf Anschlag stellt: Scooter werden als finaler Headliner für einen gebührenden Abriss sorgen.

Vorarlberg ist schon ziemlich weit weg von Wien. Aber die lange Reise zahlt sich jedes Mal hundertpro aus. Das war schon 2019 so beim legendären Ö3-Konzertspektakel in Hard, und das wird sicher auch so beim heurigen Ö3-Weihnachtswunder in Bregenz. Daher schon jetzt ein herzliches, vorweihnachtliches Hoi! aus dem tropischen Lustenau.

Song Contest
Clemens Stadlbauer

Milenko Badzic

Ö3-Reporter Clemens Stadlbauer

Aus der Ö3-Musikredaktion...

Ö3-Reporter Clemens Stadlbauer berichtet hier regelmäßig über aktuelle Trends und News aus der Musikwelt. Neben seiner Arbeit bei Ö3 hat er fünf Bücher veröffentlicht, darunter den Bestseller „Quotenkiller“. Stadlbauer ist verheiratet und Vater einer Tochter.




„Ö3-Wecker“ mit Philipp Hansa, 5. August 2022